Zum Heiligen Martin (3)

Beim Pilgern gestern, da ich über den Heiligen Martin nachdachte, ist mir plötzlich bewußt geworden, „du hast da aus der Lebensgeschichte des Heiligen Benedikt etwas in die des Heiligen Martin einfließen lassen“. Das will ich zunächst korrigieren. Martinus wurde nicht von Gefährten vergiftet, vielmehr war es so, da er sich gegen den verbreiteten Unglauben, Jesus sei nur Mensch gewesen positioniert hatte, wurde er selbst in seiner Einsiedelei bedrängt. Daher entschloss er sich, zusammen mit einem hoch angesehenen Priester auf die Insel Gallinaria zurückzuziehen. Auf dieser Insel ernährte er sich von Wurzeln und Kräutern, dabei aß er eines Tages von der hoch giftigen Nieswurz. Das Gift entfaltete solch starke Wirkung, dass er sich dem Tode nahe wähnte. Doch er überstand diese Vergiftung, denn er verharrte mit seinen letzen Kräften im Gebet und der schlimme Schmerz verließ ihn.

Heute haben wir den Heiligen Martin, dargestellt als Bischof, in einem beeindruckenden Hochaltar Gemälde gesehen. Dieses Hochaltarbild wird der Bedeutung des Heiligen sehr gerecht. Martin lebte in einer Zeit des Umbruchs. Einige Lebensdaten zeigen das schon. In seine Kindheit fällt das Konzil von Nicäa und in seiner Jugend wird die Siebentagewoche, mit der Betonung des Sonntags, als Tag des Christus, gegen den bis dahin geltenden neuntägigen Rhythmus eingeführt. Martin war noch Soldat, wohl aber schon getauft, da wurde im Jahr 354 von Papst Liberius der Weihnachtstermin auf den 25. Dezember fixiert. Als Martin Bischof war wird unser bis heute geltendes Glaubensbekenntnis auf dem ersten Konzil von Konstantinopel festgelegt. Und schließlich erlebt der Heilige kurz vor seinem Tod noch, dass unter Theodosius das Christentum die vom Kaiser und somit vom Staat bevorzugte Religion wird.
Diese wenigen Daten sollen genügen, um die enormen Umbrüche jener Zeit zu belegen.
Martin hat dies aber nicht nur erlebt, vielmehr hat er diese Zeit mit gestaltet, ja er ist eine der großen Gestalten dieser Zeit. Zunächst ist auffallend, dass Bischof Martin im Gegensatz zu vielen seiner Mitbischöfe Distanz hielt zum Kaiser, eben nicht um die Gunst des Herrschers buhlte, wohl aber seine Position entschieden einbrachte. Dies wird in der Erzählung von Sulpicius deutlich, da Martin zusammen mit seinem Burschen an der kaiserlichen Tafel speist und nicht zuerst dem Kaiser, sondern seinem Diener den ersten Schluck aus dem gemeinsamen großen Weinbecher nehmen lässt.
Mir scheint das eine Mahnung für alle kirchlich Verantwortlichen in Europa zu sein, dass die kritische, jedoch konstruktive Distanz zu den staatlichen Oberen gewahrt wird, damit die Kirche Salz bleibt, eben nicht schal wird und so gegen alle Missstände ihre Stimme erheben kann.

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