Zum Fenster, der Tod des Martinus, nach Sulpicius Severus.

„Sanct Martin wusste seinen Tod lange Zeit voraus und tat ihn auch seinenBrüdern kund. Zu der Zeit fuhr er in die Diöcese von Cande, einen Streit daselbst zu schlichten; da sah er auf dem Wege, wie Tauchvögel den Fischen nachstellten und etliche fingen. Da sprach er ‚Also machen es die Teufel: sie stellen den Unfürsichtigen nach und fangen sie unversehens, verschlingen sie und werden doch davon nicht ersättigt‘. Darnach gebot er den Vögeln, dass sie das Wasser verließen und an einen wüsten Ort gingen. Da flogen sie alsbald auf in einer großen Schar und strebten dem Wald und den Bergen zu.
Als er in der vorgenannten Diöcese nun eine Zeit verweilt hatte, begann er abzunehmen von seines Leibes Kräften; und sprach zu seinen Jüngern, dass seine Auflösung nahe sei. Da weinten sie allesamt und sprachen ‚Vater, warum willst du uns verlassen? Willst du uns hinter dir lassen ohne Trost? Denn grimmige Wölfe Werden in die Herde deiner Schäflein fallen‘. Da ward er von ihren Bitten und Tränen bewegt und weinte mit ihnen und betete also ‚Herr, bin ich deinem Volke noch not, so will ich mich der Arbeit nicht weigern, dein Wille geschehe‘. Das sprach er in einem Zweifel, denn er verließ die Seinen nicht gerne und mochte doch auch von Christo nicht länger sein geschieden. Da er nun eine Zeit im Fieber lag, baten ihn die Jünger, dass er in sein Bett, darin er in Sack und Asche lag, etwas Stroh tue. Sprach er ‚lieben Söhne, es ziemt nicht, dass ein Christ anders als in Sack und Asche sterbe; gäbe ich euch ein ander Beispiel, so täte ich große Sünde‘. Augen und Hände aber hielt er immer zum Himmel empor gerichtet, und sein unbesiegter Geist wandte sich nicht ab vom Gebet. Da er alle Zeit auf dem Rücken lag, baten ihn die Priester, dass er sich zur Seite wende, damit der Leib durch die Änderung der Lage etlichermaßen werde erleichtert. Er aber sprach ‚Läset mich liegen, dass ich den Himmel anschaue und nicht die Erde, damit der Geist zum Herrn werde gerichtet‘. Als er solches sprach, sah er den Teufel neben sich stehen. Da sprach er ‚Was stehest du hier, du blutig Tier? Du findest nichts Unreines an mir, ich werde kommen in Abrahams Schoß‘. Mit diesen Worten gab er seinen Geist zu Gott, seines Alters im einundachtzigsten Jahr, zu den Zeiten, da Arcadius und Honorius regierten, die zur Herrschaft kamen um das Jahr 390. Sein Antlitz leuchte.“

Impuls: Lass uns bereit sein, die Aufgaben des Lebens zu übernehmen und eben so wenig vor dem Ende des Lebens zu fliehen, uns vielmehr, trotz des bitteren Tores des Todes, auf die Vollendung des Lebens, auf ein Leben in Herrlichkeit bei Gott zu freuen.

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