Zum Martinstag

Mal bin ich Bettler, mal St. Martin

Ein Zeitungsartikel mit dieser Überschrift, aus ihrer beruflichen Anfangstätigkeit als Religionslehrerin, ist mir heute zum Martinstag von der Autorin zusammen mit einer Rose überreicht worden. Wie wahr ist es, dass wir mal Bettler mal St. Martin sind und so dachte ich, der Beitrag ist es wert um in den Blog gestellt zu werden, zumal ich mir schon vorgenommen hatte, immer mal wieder einen Beitrag zum Heiligen Martin zu veröffentlichen.
Nun der Beitrag:
„Ein achtjähriger Schüler sagte mir, dass er bis vor kurzem dachte, der Reiter auf dem Pferd sei der hl. Martin. Inzwischen weiß er, dass die Mantelteilung ein Spiel ist. Ist er enttäuscht? Nein! Warum nicht? Was fasziniert diesen Jungen und die anderen Kinder an diesem Spiel? Einige Aussagen von ihnen:
– Mir gefällt an St. Martin so gut, dass er dem Bettler die Hälfte seines Mantels gegeben hat. (Melanie, neun Jahre)
– Die gute Tat, die St. Martin vollbracht hat, finde ich wunderbar. Ich finde es gut, dass er dem Bettler kein Geld gegeben hat, sondern ein Stück von seinem Mantel. Der Bettler wäre ja mit dem Geld in der Hand erfroren. (Martina, neun Jahre)
– Ich fände es schön, wenn St. Martin auch heute noch leben würde. St. Martin spielt das Spiel für uns. (Armin, acht Jahre)

Er spielt für uns alle! In einem Volkslied heißt es: „Das Leben ist ein Spiel, und wer es recht zu spielen weiß, gelangt ans große Ziel.“ Miteinander die Martinsgeschichte im Leben weiterspielen – ich denke, dass wir St. Martin und dem Bettler dabei begegnen können. Begegnung geschieht immer in der Gegenwart, und echte Begegnung erfordert Zeit.
„Die Zeit ist wie ein fahrender Zug, wir darin die Reisenden. Es nützt nicht, im Zug auf und ab zu gehen, um früher anzukommen. Die Zeit geht von selber weiter, wie der Zug. Unsere Aufgabe ist es, ganz in der Gegenwart zu stehen.“ (Chiara Lubich)
Ganz in der Gegenwart zu stehen, macht es mir möglich, die Tat des hl. Martin nachzuahmen, den anderen wahrzunehmen und ihm das zu geben, was er braucht. Oberflächlich gesehen, erscheint uns das selbstverständlich – bei genauerem Hinsehen jedoch ist es einen schwierige Aufgabe, die ich als „Kunst des Liebens“ bezeichnen möchte.
Jedesmal, wenn ich anhalte und mir Zeit nehme, wenn ich den anderen ansehe und ihm Hoffnung vermittle, wenn ich das Leben bejahe, wenn ich dem andern das Gefühl gebe, wertvoll zu sein, bin ich ein St. Martin unserer Zeit.
In anderen Situationen bin ich der Bettler, muss mir und den anderen zugestehen, dass ich arm bin: Arm an Gesundheit, an Kraft, an Geduld, an echter Beziehung, an Glauben, an Vertrauen zu mir selbst uns zu den anderen.
Glücklich – wenn ein St. Martin des Weges kommt, mich sieht, meinen Hilfeschrei hört, anhält und versteht, was ich brauche. Mal Bettler, mal St. Martin – ein interessantes Spiel, das viel Mut erfordert. (Irmgard Dörflinger, Sießen, heute Ellwangen).

In diesem Sinn wünsche ich allen Lesern viel Mut zum Martinstag.

Werner Redies

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