Begegnung mit einem Bettler

Martin, der Soldat, begegnet in einem strengen Winter einem halbnackten Bettler. Er entscheidet spontan. Er zerschneidet das Erkennungszeichen seiner Offizierswürde, seinen Mantel und gibt dem Bettler die Hälfte. Die Einen, die das sehen, verspotten Martin, andere staunen. Der noch ungetaufte Soldat träumt im Nachhinein von dieser Begegnung. Im Traum sieht Martin Christus, mit dem Mantelteil des frierenden Armen bekleidet. Zugleich hört er Christus, zu den ihn umgebenden Engeln sagen: „Martin, noch Taufschüler hat mir dieses Gewand schützend umgelegt.“
Diese Tat und der darauf folgende Traum haben Martin zutiefst geprägt und seinem Leben grundsätzliche Ausrichtung gegeben. Martin sah im anderen Menschen Christus, vor allem in den Armen und Hilfsbedürftigen. Martin sieht sich durch den Bettler von Gott beschenkt und lässt sich nun taufen.
Nun Christ geworden, wäre Martin gerne aus dem Militärdienst ausgeschieden. Doch diese Möglichkeit gab es für ihn nicht. Seine Zwangssituation verkleidet Sulpicius Severus, der Biograf Martins, in die Bitte eines ihm vorgesetzten Offiziers, doch „beim Militär zu verbleiben“. Dieser Rat eines Menschen, der „ihm in herzlicher Kameradschaft verbunden war“, war wohl Rat und Warnung vor den unabsehbaren Folgen eines solchen Schrittes. Martin war zu dieser Zeit wohl um die zwanzig Jahre alt und noch viele Jahre zum Militärdienst verpflichtet.
Martin verbleibt daraufhin im kaiserlichen Heer. Seine Entscheidung zeigt, dass es nicht so sehr auf Haben und Besitzen, Beruf und Stand und die äußerlichen Umstände ankommt, viel wichtiger ist ein Sehen und Hören mit dem Herzen, um den Menschen neben sich Gutes zu erweisen und sie für das Gute zu gewinnen.
Diese Verbundenheit mit dem Guten bringt ein Mittelalterlicher Künstler in der abgebildeten Darstellung des Martin zum Ausdruck. Der rote Soldatenmantel, der den Strom der Liebe darstellt, geht vom Bettler unten rechts aus, durch den Heiligen, zu Gott Vater, oben links.

Zitat
„Da erkannte der gotterfüllte Mann, dass jener, dem die anderen keine Almosen gaben, für ihn aufgehoben war. Was hätte er aber tun sollen? Er besaß ja nichts außer dem Mantel mit dem er bekleidet war… Er griff also nach dem Stahl, den er im Gurt trug, teilte den Mantel mitten durch und gab einen Teil dem Bettler.“
Sulpicius Severus

Wunsch
Die Pilger und Wanderer mögen auf ihrem Weg, die Würde der anderen Menschen, welchen Standes sie auch immer sind, erkennen und durch alle menschlichen Begegnungen reich beschenkt werden.

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