29.04.2016 –  Ein anderes Tagebuch

Als uns der Bischof von Rottenburg-Stuttgart zur Verabschiedung mit Pilgersegen am Donnerstag, 21. April um 9:00 zu sich bat, erzählte uns die liebenswürdige Sekretärin, Frau Platz, dass sie extra einen wichtigen Termin verlegte, um es dem Bischof möglich zu machen uns vor unserer Abreise den Pilgersegen zu gebe. Es war dann eine würdige Feier, die der Bischöfliche Sekretär vorbereitet hatte und wir hatten am Ende den Eindruck, dass der Bischof uns gerne begleitet hätte.
Luxemburg

Wir fuhren danach nach Luxemburg wo uns Mireille Sigal erwartete. Diese Dame ist die erste Martinus-Pilgerin in Luxemburg, die wir für den Martinusweg gewinnen konnten. Sehr schnell hat sie dort eine Martinusgemeinschaft gegründet, die in Luxemburg die Erinnerung an den heiligen Martinus neu belebt. Da die Kirche in Luxemburg vor kurzem fast enteignet wurde und weitgehend ihre Besitztümer verlor, sind dort bei vielen Menschen und kirchlichen Mitarbeiter große Verletzungen entstanden (Abschaffung des Religionsunterrichts und der religiösen Bildungsarbeit und die Einstellung vielfältiger Unterstützung vor allem auch im caritatIven Bereich, lässt es im Moment offen wie das kirchliche Leben dort weitergeht). Die Martinusgemeinschaft e. V. hat Frau Sigal sechs Eisengusstafeln zum Martinusweg geschenkt, die sie im Moment in ihrem Haus im Keller aufbewahren muss, weil sie noch keine Genehmigung hat diese an den entsprechenden Orten anzubringen. Das Positive daran ist, wie sie selbst sagt, dass man im Moment immer wieder die Kraft der Urkirche spürt. Sehr geehrt hat sie unser Geschenk angenommen, nämlich den Honig aus dem Rottenburger „Weggental“ und die Flasche Rotwein vom Wurmlinger Kapellenberg, auch unser Pilgerschal kleidet sie ganz gut.
Plötzliche Begegnung mit der Geschichte.

Wir liefen wohlgemut über die Grenzen von Belgien und Frankreich und fanden fast durch Zufall ein Quartier, das von vorne mehr als bescheiden aussah. Um so überraschter waren wir als ein holländisches Ehepaar uns einließ und das Anwesen sich als Kleinod offenbarte. Eine Erfahrung, die wir einigen Tage zuvor auch schon machten. Der Hausherr erklärte mir den Grund: Die Häuser sollten nach außen hin einen bescheidenen, eher ärmlichen Eindruck erwecken, damit die durchziehenden Soldaten und Heere den Eindruck bekamen, dass hier nichts zu holen ist. Dies ist wie er sagte aber nur ab und zu gelungen. Die Häuser waren nach den Kriegen zum größten Teil verwüstet und wurden wie wir sehen konnten wieder aufgebaut. Auch heute findet das Leben in den riesigen, wohlgestalteten Innenhöfen statt.
Wolfgang Bucher
Wir liefen und liefen und plötzlich stand unser Begleiter Wolfgang auf einer Anhöhe, blickte versonnen in die große weite Ebene. Er erklärte mir wie wichtig solche Anhöhen für eine erfolgreiche Kriegsstrategie sind. Ich erfuhr, dass er Zeitsoldat war. Dies schaffte für mich eine zusätzliche Dimension zu dieser Gegend. Er erforschte für uns einen kleinen Friedhof wo die Toten eines Tages lagen. Die Franzosen als Sieger. Über 7000 Tote. Am andern Tag wendete sich das Kriegsgeschick wieder und die Deutschen siegten. Ab jetzt werde ich meinen Freund immer mit dieser Gegend in Verbindung bringen.

Sicher interessieren Sie sich auch noch für die weiteren Mitglieder unserer Gruppe aus meiner Sicht.

Eugen und Werner sind natürlich die alten Hasen und bringen wohl die größte Leserschaft beim Blog. Vor beiden habe ich natürlich den höchsten Respekt, nehme aber für mich in Anspruch, den Herrn Prälat am längsten zu kennen. Fast fünfzig Jahre kenne ich ihn nun schon und er hat sich in dieser Zeit fast nicht verändert. Wie könnte es sonst sein, dass die Hausdame eines Hotels an der Rezeption mich fragt, ob der junge Herr, der gerade das Gepäck aus dem Auto holt auch zu uns gehört. Ich habe sie dann gefragt, ob sie am 10. August schon etwas vor hätte. Sie hat mich verdutzt angeschaut. Ich habe ihr gesagt, dass dieser Herr am Auto an diesem Tag 81 Jahre alt wird und er sich sicher freuen würde, wenn sie nach Ellwangen käme, um mit ihm zum feiern. Von da an hatte Werner eine Verehrerin mehr. Das ist aber nicht das einzig beunruhigende: Der Prälat strotzt vor Energie und Gesundheit, hat die Kondition eines Leistungssportlers. Was ihm allerdings fehlt ist das Gespür für einenMenschen wie mich, der mit vier neuem Zylindern bergan kommt und oben von ihm sehr verständnisvoll gefragt wird: „Geht es dir gut, alles ok“ und das mit einem Grinsen hinter beide Ohren. Aber er darf sich bei mir einfach sehr viel erlauben, weil die Liste dessen was ich ihm verdanke sehr lang ist.

Er ist aber in erster Linie Priester und Mensch und öffnet nicht nur Herzen sondern auch Türen. Heute habe ich ihn wieder einmal als Türöffner gebraucht: Eine sehr schöne Martinuskirche auf einem Martinusberg war mal wieder verschlossen. Als ich beim Bürgermeister war und nach dem Schlüssel für die Kirche fragte war allgemeines Desinteresse sichtbar und spürbar. Als ich mit Händen und Füßen zu erklären versuchte, dass ich unbedingt in die Kirche müsste, weil ich einen leibhaftigen Prälaten dabei hätte, waren plötzlich drei Personen bereit mir zu helfen. Am Ende der beeindruckenden Führung tauschte Werner die Kontaktdaten mit der inzwischen eingetroffenen Mesmerin aus, die seit Jahren Fotos zur bewegten Geschichte der Kirche sammelt, die auch im Krieg Gefangene beherbergen musste.
Ein weiteres Original ist Eugen Engler, der lange im Ordinariat in Rottenburg tätig war und bis heute als Mensch mit vielseitigen Kompetenzen und einer unbesiegbaren Frohnatur bekannt ist. In Rottenburg verspürte er plötzlich den Drang nach Höherem und wurde Bürgermeister in Schemmerhofen, im schwäbischen Oberland. Er hat zusammen mit Werner schon den größten Teil des Martinusweges begangen, vielleicht auch schon in unserer Diözese. Er gibt ein illustres Bild auf dem Wege ab und ist deshalb leicht zu erkennen. Er läuft mit seiner gesamten Pilgerausrüstung und zusätzlich ein  Ipad auf der Brust. Da studiert er mit allen technischen Hilfsmitteln und Programme ausgestattet den Wegverlauf und navigiert uns einmal durch Morast und Sumpf, ein andermal die kerzengerade ausgebaute Römerstraße mit absoluter Sicherheit und Genauigkeit. Er gibt uns dabei einfach das Gefühl auf dem richtigen Weg als Pilger zu sein. Dabei hat er noch ein wahnsinnige Tempo beim Laufen drauf und streut in dieses Geschehen noch die aktuellsten Witze ein, sodass ich allein vom Lachen nicht mehr laufen kann. Nun bin ich am Ende meiner ersten Betrachtung.

Josef Albrecht

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