05.05.2016 – Sulpicius Severus – LEBEN DES HEILIGEN MARTIN: 4.

Nach der Lateinisch und Deutschen Ausgabe

Herausgegeben von Kurt Smolka – St. Martinus-Verlag, Eisenstadt

Hier nur die deutsche Version
4. Inzwischen waren Barbaren in den gallischen Landen eingefallen. Der Kronprinz Julian zog daher vor der Hauptstadt Vangionen (heute Worms am Rhein) das Heer zusammen und begann eine Geldspende an die Soldaten zu verteilen. Dabei wurden sie, wie üblich, einzeln aufgerufen; schließlich war Martin an der Reihe. Er hielt ebendiesen Zeitpunkt für günstig, um seine Entlassung zu bitten; denn er erachtete es für ungehörig, die Spende anzunehmen, ohne danach seine Soldatenpflicht zu erfüllen. So sagte er zu dem Kronprinzen: „Bis jetzt habe ich dir als Soldat gedient, gestatte, dass ich von nun an Gott als Soldat diene. Deine Spende soll annehmen, wer bereit ist zu kämpfen. Ich bin ein Soldat Christi. Zu kämpfen ist mir nicht erlaubt. Auf diese Worte hin erzürnte aber der grimmige Befehlshaber und sagte, Martin wolle seinen Militärdienst aus Angst vor der Schlacht, die am nächsten Tag stattfinden sollte, nicht jedoch aus religiösen Motiven aufgeben. Dieser aber unerschrocken, ja durch den Einschüchterungsversuch noch standhafter, antwortete: „Wenn mein Entschluss als Ausdruck von Feigheit und nicht meines Glaubens verstanden wird, will ich am morgigen Tag unbewaffnet vor der Schlachtreihe Aufstellung nehmen und im Namen des Herrn Jesus, beschützt durch das Kreuzzeichen statt durch Schild und Helm, mich unbekümmert in die Bataillons der Feinde stürzen.“ Daraufhin ließ man ihn verhaften, um ihn beim Wort zu nehmen und unbewaffnet den Barbaren vorzuwerfen. Am nächsten Tag schickten die Feinde Gesandte zwecks Friedensverhandlungen, lieferten all ihr Hab und Gut aus und unterwarfen sich.Wer könntE da noch zweifeln, dass dies in Wahrheit ein Sieg des Heiligen Martin war, dem die Gnade gewährt wurde, nicht unbewaffnet in die Schlacht geschickt zu werden? Und obwohl der Herr in seiner Güte selbst inmitten der feindlichen Schwerter und Geschosse seinen Soldaten hätte erretten können, ließ er die Notwendigkeit eines Kampfes entfallen, damit der Heilige durch den Anblick von Toten, und seien diese auch von der Gegenseite, sich nicht innerlich verletzt fühlte. Denn seinem Soldaten zulieb musste Christus diese Art des Sieges gewähren und keine andere: eine Unterwerfung der Feinde ohne Blutvergießen, beider niemand ums Leben kam.
Werner Redies

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