13.05.2016 – Sulpicius Severus: 7. und 8.

LEBEN DES HEILIGEN MARTINNach der Lateinisch und Deutschen Ausgabe 

Herausgegeben von Kurt Smolka – St. Martinus-Verlag, Eisenstadt

Hier nur die deutsche Version
7. Da Hilarius schon abgereist war, folgte Martin dessen Reiseroute bis Poitiers, wurde von ihm auf das herzlichste willkommen geheißen und gründete nicht weit von der Stadt eine Mönchssiedlung. Zu dieser Zeit schloss sich ihm ein Taufschüler an, der den Wunsch hätte, in der strengen Lebensführung des hochheiligen Mannes unterwiesen zu werden. Doch nach wenigen Tagen befiehl ihn eine Krankheit: Er litt an heftigen Fieberanfällen. Martin war damals gerade nicht zugegen, und als er nach dreitägiger Abwesenheit zurückgekehrt war, Fan er nur noch einen entseelten Leib vor. So rasch war der Tod eingetreten, dass der Kranke ohne die Taufe die Menschenwelt verlassen musste. Der Leichnam war aufgebahrt, und die Trauernden Mitbrüdern hatten sich versammelt, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Da stieß Martin weinend und klagend zu ihnen. Sodann ließ er sich in seinem Innern zur Gänze vom Heiligen Geist erfassen, hieß alle andern die Zelle, in der der Leichnam lag, verlassen, verriegelte die Türen und warf sich über den Leib des verstorbenen Mitbruders. Als er eine Zeitlang inbrünstig gebetet hatte, fühlte er, dass durch den Geist des Herrn machtvolle Hilfe am Werk war. Er richtete sich ein wenig auf, blickte fest auf das Antlitz des Toten und wartete voll Zuversicht die Wirkung seines Gebets und des Erbarmens Gottes ab. Und es waren noch keine zwei Stunden, da sieht er, wie der Tote sich an allen Gliedern zu regen beginnt und blinzelnd die Augen auftut, um zu schauen. Dann aber wandte er sich mit lauter Stimme an Gott und erfüllte die Zelle mit Dankesrufen. Als die draußen Stehenden dies hörten, stürmten sie sofort herein. Sie wurden Augenzeugen eines Wunders: Sie sahen den lebendig, der, als sie hinausgingen, tot gewesen war!

Der auf diese Weise ins Leben Zurückgekehrte empfing sofort die Taufe und lebte danach noch etliche Jahre. Er war der erste, der bei uns ein leibhaftige Beispiel für die Wunderkraft Martins darstellte beziehungsweise als deren Zeuge auftrat. Dieser Mann erzählte oftmals, dass er nach dem Heraustreten aus seinem Leib vor den Stuhl des Richters geführt wurde, dort habe ich ein harter Urteisspruch getroffen: Er sollte an einen dunklen Ort zu üblem Gesindel überstellt werden. Da aber sei dem Richter von zwei Engelnbedeutet worden, dieser sei es, für den Martin betete. Darauf hätten eben dies Engel den Befehl erhalten, ihn zurückzuführen. So sei er Martin zurückgegeben worden und dem früheren Leben wiedergeschenkt worden. Von diesem Zeitpunkt an begann der Name des seligen Mannes mit solcher Kraft zu strahlen, dass Martin, der bereits allgemein für heilig galt, auchnfür wundermächtig und wahrhaft apostelgleich gehalten wurde.
8. Als er nicht viel später seinenWeg über den Landbesitz eines gewissen Lupicinus nahm, eines nach dieseitigen Maßstäben angesehenen Mannes, drang das Wehklagen einer Gruppe Trauernder an sein Ohr. Er trat besorgt zu Ihnen und erkundigte sich, was ihr Weinen zu bedeuten habe. Man gab ihm zu verstehen, dass ein junger Sklave aus dem Gesinde sich an einem Strick erhängt habe. Sowie Martin dies erfahren hatte, begab er sich in die Kammer, in der der Leichnam lag, ließ alle Leute draußen warten, warf sich über den Toten und betete eine Weile. bald kam Leben in das Antlitz des Verstorbenen; seine Augen begannen zu leuchten, er sah Martin ins Gesicht und richtete sich auf; langsam und mühevoll versuchte er sich zu erheben, fasste die Rechte des heiligen Mannes und konnte stehen; dann ging er, von den Blicken der ganzen Gruppe begleitet, mit ihm bis in den Vorraum des Hauses.

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