14.05.2016 – Sulpicius Severus – LEBEN DES HEILIGEN MARTIN: 9.

Nach der Lateinisch und Deutschen Ausgabe Herausgegeben von Kurt Smolka – St. Martinus-Verlag, Eisenstadt

Hier nur die deutsche Version
9. Etwa zur gleichen Zeit wandte man sich an Martin, er solle in der Gemeinde von Tours das Bischofsamt übernehmen. da es aber Nichtleiter war , ihn zum Verlassen seines Klosters zu bewegen, täuschte ein gewisser Rusticus, einer der Stadtbewohner, eine Erkrankung seiner Frau vor, warf sich ihm zu Füßen und bewirkte, dass er herauskam. Die Bürger bildeten schon in großen Scharen ein Spalier entlang des Weges, und so wurde Martin gewissermaßen unter Bewachung bis in die Stadt geleitet. In außergewöhnlicher Weise hatte sich eine unglaublich große Menschenmenge nicht nur aus Tours, sondern auch aUs den Nachbarstädten versammelt, um an der Wahl teilzunehmen. Alle hatten ein und denselben sehnlichsten Wunsch, alle waren derselben Meinung: Unter einem solchen Oberhirten werde die Gemeinde glückliche Zeiten erleben.

Aber eine Minderheit, auch manche Bischöfe, die man zur Einsetzung eines geistlichen Oberhauptes geladen hatte, opponierten aus unbilligen Motiven. Sie behaupteten nämlich, Martin sei als Person verachtenswert; ein Mann sei des Bischofsamtes unwürdig, dessen Antlitz unansehnlich, dessen Kleidung schäbig und dessen Haar ungepflegt sei. Doch die gesunde Urteilskraft des Volkes verhöhnte die unsinnigen Einwände jener Leute, die den bemerkenswerten Mann durch ihre Versuche, ihn herabzusetzen, in Wahrheit empfahlen. Und sie hätten gar keine Möglichkeit, etwas gegen die Absicht des Volkes zu unternehmen, die dem Willen Gottes entsprach. Unter den Anwesenden Bischöfen soll aber ein gewisser Defensor (‚Verteidiger‘) sich besonders ablehnend verhalten haben. Deshalb, so stellte man fest, hat ihn damals ein Prophetenwort, das bei der Lesung vorgetragen wurde, peinlich gebrandmarkt.

Denn es ergab sich, dass der Lektor, der an diesem Tag die Lesung vorzutragen hatten, nicht zur Stelle war, da ihm die Volksmenge den Weg versperrte. Als nun die Geistlichen ratlos waren und man auf den Abwesenden wartete, nahm einer der Umstehenden das Buch mit den Psalmen und las unverzüglich den erstbesten Vers vor. Der Psalm aber lautete: „Aus dem Mund von Neugeborenen und Säuglingen hast du dir vollendetes Lob verkünden lassen wegen Deiner Feinde, auf dass du zu Fall bringest Deine Feinde und deren Verteidiger. Auf diese Worte hin erhob das Volk laut seine Stimme; die Gegenpartei geriet in Bedrängnis, und es herrschte die Ansicht, es sei göttlicher Wille, , dass eben diese Psalm gelesen wurde, damit Defensor für sein Verhalten ein Zeugnis aus der Schrift zu hören bekomme. Dadurch, dass aus dem Mund von Neugeborenen und Säuglingen, das heißt in der Person Martins, das vollendete Lob des Herrn verkündet werde, sei Defensor zugleich als dessen Feind bloßgestellt und zu Fall gebracht worden.

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