16.05.2016 – Sulpicius Severus – LEBEN DES HEILIGEN MARTIN: 12. und 13.

Nach der Lateinisch und Deutschen Ausgabe He.rausgegeben von Kurt Smolka – St. Martinus-Verlag, Eisenstadt

Hier nur die deutsche Version
12. Es trug sich aber in der Folge zu, dass er unterwegs das Leichenbegräbnis eines Heiden kreuzte, das sich unter abergläubischen Riten zu der Grabstätte begab. Schon von fern erblickte er den Trauerzug; da er aber nicht wusste, worum es sich handelte, blieb er kurz stehen; der Abstand Betrug nämlich ungefähr eine halbe Meile, sodass es ihm schwerfiel, genau zu erkennen, was er sah. Trotzdem: Angesichts der ländlichen Schar und der über den Leichnam geworfenen, im Winde flatternden Leinentüchern war er der Meinung, man vollziehe heidnische Opferriten. Es war ja bei den Bauern Galliens Brauch, Götzenbilder,in weißes Tuch zu hüllen und sie – ein trauriger Aberwitz – auf den Feldern umherzutragen.

Er hielt also der herankommenden Menge das Kreuzzeichen entgegen und befahl den Leuten, sich nicht von der Stelle zu bewegen und ihre Bürde abzusetzen. Da bot sich ein wunderlicher Anblick: Zunächst waren die Bedauernswerten wie zu Stein erstarrt, dann versuchten sie mit aller Kraft weiterzugehen, kamen aber nicht vom Fleck und bewegten sich in lächerlicher Drehung im Kreis, bis sie schließlich nicht mehr konnten und die Last des Leichnams absetzten. Verdutzt schauten sie einander an und überlegte wortlos, was ihnen den zugestoßen sei. Als aber der selige Mann in Erfahrung gebracht hatte, dass es sich bei der Menschenmenge um einen Leichenzug handelte und nicht um eine Opferprozession, erhob er abermals seine Hand und setzte die Leute dadurch Instandsetzung, ihres Weges zu ziehen und den Leichnam hochzuheben. So zwang er sie, nach seinem Willen halt zu machen, und gestattete Ihnen, nach seinem Belieben weiterzugehen.

13. Desgleichen riß er in einem Dorf einen uralten Tempel nieder und ging nachher daran, eine Pinie zu fällen, die dicht neben dem Heiligtum stand. Da begannen der Priester dieser Stätte und die übrige Schar der Heiden Widerstand zu leisten. Während sie sich nämlich bei der Zerstörung des Tempels auf Gottes Geheiß hin ruhig verhalten hatten, wollten sie es nicht zulassen, dass der Baum umgeschlagen würde. Martin wies sie nachdrücklich darauf hin, dass der Holzklotz keinerlei Anlass zur Verehrung biete. Sie sollten vielmehr jenem Gott folgen, dem er selbst diente. Dieser Baum müsse gefällt werden, da er einem Götzen geweiht sei. 

Da sagte einer von ihnen, der mutiger war als alle übrigen: „Wenn du irgendein Vertrauen auf deinen Gott setzt, dem du, wie du sagst, verehrst, so wollen wir diesen Baum umschlagen und du fängst ihn auf, wenn er fällt. Und wenn dein Gott, wie du behauptest, mit dir ist, wirst du mit heiler Haut davonkommen.“ Martin, der furchtlos auf Gott vertraute, willigte ein. Mit dieser Bedingung war denn auch die ganze Heidenschar einverstanden; man erachtete den Verlust des Baumes für geringfügig, wenn man unter dessen stürzenden Stamm einen Gegner des eigenen Kultes begraben könnte. Als sich daher besagte Pinie schon leicht in eine bestimmte Richtung neigte, sodass kein Zweifel bestehen konnte, in welche sie nach den letzten Schlägen fallen würde, wurde Martin gefesselt und musste sich entsprechend der Entscheidung der Bauern genau dort hinstelle, wo der Baum aufschlagen würde, wie niemand mehr bezweifelte.

Sie selber fingen also an, ihre Pinie mit größter Freude und in bester Laune zu fällen. In einiger Entfernung stand eine Schar gespannter Zuschauer. Allmählich begann sich die Pinie langsam zu neigen und ihren drohenden Sturz anzukündigen. Die Mönche in der Ferne waren erbleicht und hatten, vor der drohenden Gefahr bebend, bereit alle Hoffnung und Zuversicht verloren; sie warteten nur noch auf Martins Tod. Er aber vertraute auf den Herrn, und als die Pinie dann krachend zum Sturz ansetzte, streckte er, während sie bereits fiel, Ihn bereits zu erschlagen drohte, seine erhobene Hand gegen sie aus, hielt ihr das Zeichen des Heils entgegen. Daraufhin aber – man hätte glauben können, sie sei zurück geworfen worden, wie durch eine Sturmböe – stürzte sie in eine so völlig andere Richtung, dass sie die Bauern, obwohl diese an einer sicheren Stelle standen, beinahe erschlagen hätte.

Dann aber erhob sich lautes Geschrei gen Himmel – die Heiden waren erstarrt ob des Wunders, die Mönche weinten vor Freude; alle priesen gemeinsam den Namen Christi, und es war ganz offenkundig, dass an diesem Tag jenem Landstrich das Heil zuteil wurde. Denn es gab fast niemanden in jener gewaltigen Menge von Heiden, der nicht nach der Handauflegung verlangte, den Irrtum der Gottlosigkeit ablegte und an den Herrn Jesus glaubte. Und es ist Tatsache, dass vor dem Auftreten Martins nur sehr wenige, ja so gut wie niemand in jenen Gebieten das Christentum angenommen hatte. Dieses erstarkte durch dessen machtvolles Tun und das Vorbild, das er abgab, so sehr, dass es dort keinen Ort mehr gibt, der nicht voll wäre von zahlreichen Kirchen oder Mönchssiedlungen. Denn an den Stellen, an denen Martin heidnische Heiligtümer zerstört hatte, erbaute er sofort Kirchen oder Mönchssiedlungen.

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