18.05.2016 – Sulpicius Severus – LEBEN DES HEILIGEN MARTIN

Nach der Lateinisch und Deutschen Ausgabe He.rausgegeben von Kurt Smolka – St. Martinus-Verlag, Eisenstadt

Hier nur die deutsche Version

15. Ich will auch berichten, was ich in Häduergau zugetragen hat. Als Martin ebendort einen Tempel zerstörte, fiel eine wütende Menge heidnischer Bauern über ihn her. Einer aber war dreister als die übrigen und ging mit gezücktem Schwert auf ihn los. Da warf Martin seine Kutte zurück und bot dem Hieb seinen entblößten Nacken dar. Der Heide holte unverzüglich aus, riß seinen rechten Arm hoch – doch zu weit: Er fiel auf den Rücken und verwirrt, weil er die göttliche Strafe fürchtete, bat er um Gnade.

Dieser Begebenheit nicht unähnlich war auch die folgende: Als jemand Martin, der eben Götzenbilder zerstörte, mit einem Messer bedrohte, ward ihm, während er gerade zustieß, die Waffe aus der Hand geschlagen und danach unauffindbar. Zumeist aber könnte Martin, wenn Bauern ihn mit Worten daran hindern wollten, ihre Heiligtümer zu zerstören, die Gemüter der Heiden durch eine Rede über heilige Dinge beschwichtigen und sie dazu bringen, dass sie, das Licht der Wahrheit vor Augen, ihre Tempel selbst einrissen.
16. Aber die Gnade, Heilungen durchzuführen, war in ihm so mächtig, dass ihn fast kein Kranker aufsuchte, ohne auf der Stelle die Gesundheit wiederzuerhalten. Die wird unter anderen das folgende Beispiel deutlich machen: In Trier litt einMädchen an einer schlimmen Lähmung. Schon lange versagte ihr der Körper im alltäglichen Gebrauch den Dienst. An allen Gliedmaßen so gut wie tot, konnte sie nur mit Mühe schwach atmen. Trauern standen die Angehörigen neben ihr und warteten nur noch auf ihr Ableben. Da verbreitete sich plötzlich die Kunde, Martin sei in dies Stadt gekommen. Als der Vater des Mädchens das erfuhr, lief er atemlos zu ihm, um von ihm Hilfe für seine Tochter zu erbitten. Zufällig war Martin schon Indie Kirche gegangen. Dort, vor den Augen des Volkes und in Anwesenheit vieler anderer Bischöfe, umschlang der alte Mann schluchzend dessen Knie und sagte: „MeinemTochter stirbt an einer bösartigen Krankheit, und was noch grausamer ist als der eigentliche Tod: an ihr lebt nur noch ihr Hauch, ihr Fleisch ist schon so gut wie gestorben. Ich bitte dich, geh zu ihr und segne sie. Denn ich bin zuversichtlich, dass sie durch dich Ihre Gesundheit zurückerhalten wird. Ob dieser Worte war Martin höchst verblüfft, wehrte ab, und sagte: dazu reiche seine Kraft nicht aus, der alte Mann müsse sich irren: Er sei nicht würdig, dass der Herr durch ihn ein Zeichen seiner Kraft erkenne lasse. Der Vater des Mädchens drang weiter in ihn, weinte noch heftiger und flehte ihn an, die Sterbende aufzusuchen. Schließlich begab Martin sich aus das Drängen der Bischöfe hinzu dem Haus des Mädchens. Eine große Menschenmenge stand vor dem Eingang, voll Erwartung, was der Diener Gottes tun werde. Dieser griff zunächst zu dem Mittel, das er in derartigen Fällen immer anwandte: Er betete, auf den Boden hingestreckt. Dann richtete er seine Blick auf die Kranke und verlangte, dass man ihm Öl gebe. Er segnete es, flößte die Kraft spendende heilige Flüssigkeit indem Mund des Mädchens ein, und sofort könnte es wieder sprechen. Hierauf kehrte nach und nach Leben in jedes einzelne Glied zurück, sobald diese mit dem Öl in Berührung kamen; und schließlich waren die Beine des Mädchens kräftig genug, dass es sich erheben konnte. Dafür waren die vielen Anwesenden Zeugen.

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