20.05.2016 – Sulpicius Severus – LEBEN DES HEILIGEN MARTIN: 17. und 18.

Nach der Lateinisch und Deutschen Ausgabe He.rausgegeben von Kurt Smolka – St. Martinus-Verlag, Eisenstadt

Hier nur die deutsche Version
17. Zur gleichen Zeit wurde der Diener eines gewissen Taedradius, eines Mannes von prokonsularischem Rang, von einem Dämon ergriffen; der Bedauernswerte litt Todesqualen. Man bat Martim, ihm die Hand aufzulegen. Dieser ließ ihn zu sich bringen, aber der böse Geist war durch nichts aus dem Unterschlupf herauszubringen, den er bewohnte: so wild biß er um sich, wenn jemand sich näherte. Da warf Taetradius sich dem seligen Mann zu Füßen und bat ihn, persönlich in das Haus zu kommen, in dem sich der Besessene befand. Doch da weigerte Martin sich: Er könnte nicht das Haus eines Ungläubigen Heiden aufsuchen. Taetradius war zu der Zeit nämlich noch im Irrtum des Heidentums befangen. Er versprach also, Christ zu werden, wenn der Dämon aus dem Burschen ausgetrieben würde. So legte denn Martin dem Burschen die Hand auf und trieb den unreinen Geist aus ihm aus. Als Taetradius dies gesehen hatte, kam er zum Glauben an den Herrn Jesus, wurde auf der Stelle ein Taufbewerber, ließ sich nicht viel später taufen und verehrte Martin allezeit mit besonderer Inbrunst als den Urheber seiner eigenen Errettung.

Zur selben Zeit und in derselben Stadt begab sich Martin in das Haus eines Gutsherrn. Er machte aber noch auf der Schwelle halt und sagte, er sehe im Mittelhof des Hauses einen schrecklichen Dämon. Als er ihm befahl zu verschwinden, ergriff dieser von dem Gutsherrn Koch Besitz, der sich weiter im Inneren des Hauses aufhielt. Der Arme begann, um sich zu beißen und alle, die ihm in den Weg kamen zu zerfleischen. Die ganze Familie geriet in Aufregung, das Gesinde in Verwirrung, die Leute ergriffen die Flucht. Martin warf sich dem Rasenden entgegen und gebot ihm zunächst stehenzubleiben. Als dieser aber die Zähne fletschte und mit aufgerissenem Mund zum Beißen ansetzte, steckte Martin ihm seine Finger in den Mund und sagte: „Verschlinge sie, wenn du irgendeine Macht besitzt.“ In diesem Augenblick aber, wie wenn er glühendes Eisen in seine Kehle bekommen hätte, wich jener weit mit seinen Zähnen zurück und vermied eine Berührung mit den Fingern des seligen Mannes. Und als der Dämon unter peinvollen Quälen gezwungen wurde, aus dem Leib des Besessenen zu weichen, es ihm aber nicht möglich war, durch den Mund auszufahren, wurde er unter Hinterlassung einer übelriechenden Spur durch heftigen Durchfall ausgeschieden.
18. Während dessen war plötzlich das Gerücht aufgekommen, Barbaren hätten sich in Bewegung gesetzt und planten einen Angriff: Aufregung herrschte in der Stadt. Da ließ sich Martin einen Besessenen vorführen und befahl im offen herauszusagen, ob dies Kunde wahr sei. Darauf hin gestand dieser, zehn Dämonen seien mit ihm gewesen, die jenes Gerede unter dem Volk verbreitet hätten, damit Martin es wenigsten jetzt mit der Angst zu tun bekomme und sich aus dieser Stadt vertreiben lasse. Die Barbaren dächten an nichts weniger als an einenÜberfall. So wurde, als der unreine Geist dies mitten in der Kirche bekannte, die Stadt von Angst und Schrecken, die eben noch geherrscht hatten, befreit.

In Paris aber – Martin durchschritt eben in Begleitung einer großen Menschenmenge ein Tor dieser Stadt – küßte er einen Aussätzigen, dessen Gesicht jämmerlich entstellt war, und segnete ihn. Alle erschauderten, doch jener war auf der Stelle von dem Übel gänzlich rein. Tags darauf kam er in die Kirche und dankte mit makelloser Haut für die wiedererlangte Gesundheit. Es soll auch nicht übergangen werden, dass Fasern, die man aus Martins Mantel und aus seiner Kutte gezogen hatte, in vielen Fällen Heilkräfte beim Kranken entfalteten. Denn um die Finger gewickelt oder auf den Hals aufgelegt, bewirkten sie oftmals, dass die Krankheiten von den Leidenden abließen.

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