31.05.2016 – Sulpicius Severus – LEBEN DES HEILIGEN MARTIN: 26 – Schluss des Buches

Nach der Lateinisch und Deutschen Ausgabe Herausgegeben von Kurt Smolka – St. Martinus-Verlag, Eisenstadt

Hier nur die deutsche Version
26. Nun aber muss das Buch zu seinem Ende kommen, meine Darstellung will abgeschlossen sein – nicht etwa, weil all das, was es über Martin zu berichten gäbe, schon gesagt wäre, sondern weil ich, wie ein schlechter Dichter, gegen Schluss des Werkes nachlässig, mich gegenüber der erdrückenden Fülle des Stoffes geschlagen gebe. Denn selbst wenn es noch irgendwie möglich war, seine Taten mit Worten darzustellen, so wird keiner, aber wirklich keine Art sprachlichen Ausdrucks sein Innenleben, sein Verhalten immAlltag und seine stets auf den Himmel gerichteten Gedanken je vermitteln können; ich meine jene unnachgiebige Ausdauer in Enthaltsamkeit und Fasten, jene Kraft in Wachen und Beten, seine Fähigkeit, Nächte in derselben Weise zu verbringen wie Arbeitstage und zu keiner Zeit vom Werk Gottes abzulassen, umsichtiger Muße oder auch nur einer anderen Beschäftigung hinzugeben, ja nicht einmal um zu essen und zu schlafen – bis auf das Bißchen, das die Natur zwingend gebot. Wahrlich, auch wenn Homer selbst, wie man so sagt, aus der Unterwelt emporstiege, könnte er solches nicht darlegen. Denn an Martin ist alles so großartig, dass es sich nicht in Worte fassen läßt.

Nie verging eine Stunde, nie eine Minute, ohne dass er inständigem Gebet oder konzentriertem Lesen oblag, obwohl er auch beim Lesen oder bei irgendeiner anderen Tätigkeit im Geist nie vom Gebet abließ. Geradeso wie Schmiede, die die Gewohnheit haben, während ihrer Arbeit auf den bloßen Amboß zu schlagen, um sich so von ihrer Mühsal ein wenig zu erholen,war Martin, auch wenn es so aussah, als täte er etwas anderes, ständig mit Beten beschäftigt.

Ja, er war wahrhaftig ein Heiliger, ein Mann ohne Falschheit. Über niemand fällte er ein Urteil, niemanden verdammte er, niemandem vergalt er Böses mit Bösem. Denn gegen alles Unrecht hatte er sich mit solcher Geduld gewappnet, dass er, obwohl Bischof auch von niedrigsten Geistlichen verletzende Worte hinnahm, ohne jene zu bestrafen oder deswegen jemals ihres Postens zu entheben oder gar aus seiner Liebe auszuschließen, soweit es an ihm lag. Niemand sah ihn je erzürnt, niemand je aufgeregt, niemand je bekümmert, niemand je lachend: Sein Gemütszustand war stets ein und derselbe. Mit einem Ausdruck himmlischer Freude auf seinem Antlitz schien er jenseits der Menschennatur zu stehen. Nie führte er anderes im Mund als Christus, nie trug er anderes im Herzen als Gottesliebe, Frieden und Erbarmen. Oftmals pflegte er sogar unter Tränen um Vergebung der Sünden seiner offenkundigennWidersacher zu flehen, die ihm, der installier Zurückgezogenheit lebte, mit ihren Giftzungen und Schlangenmäulern zu zerreißen suchten.

In der Tat habe ich einige Leute kennengelernt, die ihm seine von innerer Stärke bestimmte Lebensführung neideten und an ihm verabscheuten, was sie an sich selbst vermißten und worin sie es ihm nicht gleichtun konnten. Und man erzählte – welch ein bedauerliches, beklagenswertes Unrecht -, dass es sich bei seinen Gegnern zumeist umkringelt anderen Personen handelte, mochten es auch ganz wenige sein, dennoch um keine anderen Personen als um Bischöfe. Es erübrigt sich aber, irgendeinen von Ihnen mit Namen anzuführen, obgleich er sie in großer Zahl auch mich selbst allenthalben begeistern. Es soll genügen, dass, wenn einer von ihnen beim Lesen dieses Buches versteht, was ich hiermit sagen will, er vor Scham errötet. Denn wenn er in Zorn gerät, wird er damit eingestehen, dass er gemeint ist, sollte ich auch möglicherweise an andere gedacht haben. Mir jedenfalls macht es nichts aus, wenn jeder, der zu jenen gehört, auch mich gleichermaßen verabscheut wie diesen so bedeutenden Mann.

Dessen bin ich mir aber ganz sicher: Allen heiligmäßigen Menschen wird dieses mein beschriebenes Werk willkommen sein. Im übrigen wird, wer dies ungläubig liest, durch eigene Schuld eine Sünde begehen. Ich für meine Person habe ein gutes Gewissen: Von der Zuverlässigkeit der Ereignisse und der Liebe zu Christus zum Schreiben veranlaßt, habe ich Tatsachen berichtet und die Wahrheit gesagt. Und, so hoffe ich, all jene dürfen Gottes Lohn erwarten, die nicht bloß lesen, sondern auch glauben.
Hiermit endet die Beschreibung des Lebens vom Heiligen Martin durch Sulpicius Severus.

Sulpicius Severus hat noch drei Briefe geschrieben, die dieses sein Werk betreffen.

 

Ein erster Brief ging an Eusebius. Dieser ergab sich nach einer Gesprächsrunde auf dem ehemaligen Landgut des Sulpicius Severus, das er in eine Art Kloster umgewandelt hatte und das zu Gesprächs- und Diskussionsrunden diente.
Der zweite Brief geht an einen Diakon Aurelius, der Freund ihm war und der später Priester wurde.
Der dritte Brief geht an Bassula, die verehrte „Mama“ von Sulpicius Severus, seine Schwiegermutter. „Mama“ ist hier ein Ausdruck der Hochachtung.
Diese drei Briefe geben Aufschluss über die Hintergründe des Buches und über die Motive des Sulpicius Severus.
Eine ausführliche Einleitung und diese drei Briefe, zudem zahlreiche Anmerkungen zum Text des Sulpicius Severus, die Hintergründe erschließen sind in dem Buch – 
Sulpicius Severus

Leben des heiligen Martin – VITA SANCTI MARTINI –

Lateinisch und Deutsch 

Herausgegeben von Kurt Smolka

St. Martins-Verlag, Eisenstadt 1997
enthalten. Das Buch ist hergestellt mit Unterstützung der Diözese Eisenstadt und der Wiener Humanistischen Gesellschaft ( Institut für klassische Philologie der Universität Wien, Dr. Karl-Lueger-Ring 1, A-1010 Wien)

Dieses Buch ist sehr zu empfehlen.


Noch eine Anmerkung zur Darstellung des Lebens des heiligen Martin. 

Den Wallfahrern der Diözese Rottenburg in diesem Monat nach Tours, ist gewiss aufgefallen, dass während eines Gottesdienstes und am Grab des heiligen Martin Filmaufnahmen getätigt wurden. Es ist ein Film über den heiligen Martin 

im Entstehen, der von verschiedenen Fernsehanstalten finanziert wird und der das Leben und die Wirkungsstätten von Martin von Tours in den Blick nimmt. Der Film wird wahrscheinlich im November dieses Jahres, eben um den 11.11., den Beisetzungstag des heiligen Martin ausgestrahlt.
Sobald mir von der Produktionsfirma Tellux, die jeweiligen Ausstrahlungstermine mitgeteilt werden können, werde ich dies hier veröffentlichen.

Schließlich mache ich noch auf das Samstagspilgern auf dem Martinusweg in der Diözese Rottenburg Stuttgart in diesemmJahr aufmerksam und auf ein einwöchiges Pilgern. Näheres unter: www. Martinuswege.de und hier unter Martinusgemeinschaft.
Werner Redies

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