Alle Beiträge von Werner Redies

25.05.2018 – Zum Verduner Altar

Im Regen sind wir heute, nach einer kurzen Busfahrt, die aber lang dauerte, von Heiligenstadt nach Kloster Neuburg im Regen aufgebrochen. Dort erwarteten uns die Ungarn, der Pfarrer der Martinskirche von Szombahely und Gyöngyi mit Laci. Die Tagestour betrug nur schwache 10 Kilometer, das aber nur durch die kündige Führung des Lotsen Walter Müller, der uns entgegenkam. Der Aufstieg zu Kloster Neuburg war mir in schlechter Erinnerung, weil mein Mitpilger und ich vor vier Jahren einen sehr steilen Aufstiegsweg fanden und auch nicht sehr schön war. Unser Lotse nahm einen Weg, auf dem man von Beginn an die herrliche Fassade des Stiftes vor Augen hatte, der leicht anstieg durch eine gepflegte Gartenanlage führte und schließlich über Prälatentreppen das Stift erreichte.

Im gepflegten, schönen Restaurant des Stiftes nahmen wir das Mittagessen ein und zu unserer Begrüßung kamen Vertreter von Stadt und Touristik, da wir die erste größere Gruppe auf dem Martinusweg seien. Zu unserer Überraschung erfuhren wir, unser Lotse sei mit fünfzig einheimischen Pilgern im vergangenen Jahr von Kloster Neuburg aus, den Martinusweg gegangen. Das war eine Steilvorlage, um unsere Idee ins Gespräch zu bringen, dass in 2019 ungarische und österreichische Pilger zu uns kommen, um die Donau an ihrem Oberlauf und die Schwäbische Alb kennen zu lernen. Unsere Anregung fand gute Resonanz. Mal sehe , was daraus wird.

Das Highlight des Tages kam danach. In einem kleinen, sehr gut gemachten Film bekamen wir eine Einführung zum Aufbau des Verduner Altares und über den Künstler und sein Schaffen. Den Weg zum Altar wurden wir über die Kellerstraße geführt. Es lohnt sich eine warme Jacke dabei zu haben!

Der Verduner Altar hat seinen Namen nach dem Geburtsort des Künstlers, Nikolaus von Verdun, der auch den Dreikönigsschrein von Köln geschaffen hat. In einundfünfzig, aus Kupfer, Email und Gold geschaffenen Kleinen Tafeln wird die ganze Heilsgeschichte des Alten und des Neuen Testamentes dargestellt. Die obere und die untere Tafelreihe zeige Szenen aus dem Alten Testament, die inhaltlich mit den Szenen des Neuen Testamentes in der mittleren Reihe korrespondieren. Es ist ein einmaliges Werk, vom Künstler in etwa zehn Jahren im Kloster Neustift geschaffen. Ein Werk, das mehr als sehenswert ist!

Am Abend waren wir noch über die Höhenstraße zu einem herrlichen Aussichtspunkt mit Sicht auf Wien gefahren und nahmen unser Abendessen in einem sehr gemütlichen Lokal ein, das auch unser Lotse benannt hatte. Ihm und Leo, der uns diese Tage um und in Wien begleitet hatte, gilt unser großer Dank.

Werner Redies, Andreas Nick

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24.05. 2018 – Zum Stephansdom

Steinwüste gab es natürlich von Maria Lanzendorf nach Wien! Doch anders als vermutet, begleiteten uns mindestens ebenso lang Kornfelder und große, durchgehend Schatten werfende hohe Hecken. Der Weg war eben, so sind wir zügig voran gekommen. In Leopoldsdorf wurden wir vor der St. Martinskirche von der Messnerin erwartet. Zuerst gab es Stempel in die Pilgerpässe – freilich diese sind keine direkten Eintrittskarten in das Reich Gottes! Vielleicht aber ein Bonus bei Gott, sofern der Pilger sich auf seinem langen Weg, auf Gott und das was er vom jeweiligen Pilger erwartet, eingelassen hat. In Gott zu gründen und bei den Menschen zu sein, war der Grundgedanke des ersten Impulses am heutigen Tag.

Danach haben wir uns nochmals für eine gute Stunde auf den Weg nach Siebenhirten begeben. Ein, die ganze Altarwand ausfüllendes Altarbild zeigte dort den heiligen Martin, umgeben von den Werken der Barmherzigkeit, die eben zeigen, was es heißt, in Gott gründen und mit den Menschen zu sein.

Bevor es mit der U-Bahn weiter nach Wien ging wurden wir von Achim mit Fahrscheinen beschenkt, denn ohne Fahrschein kann der Spass 130,00 € kosten. Zudem ganz wichtig, nicht vergessen, diesen am Zugang abzustempeln. Eine Kontrolle haben wir erlebt, da kommt kein Mensch vorbei, an die zwanzig Kontrolleure sind am Ein- und Ausgang gestanden und wie uns unser Begleiter, Leo Führer sagte, gibt es da kein Nachsehen, keine Ausrede und keine Barmherzigkeit.

Zum Mittagessen waren wir in der Kantine der Erzdiözese. Eine angenehme Überraschung, hell und licht über den Dächern und angeboten wurden drei Gerichte. Hier gab es noch eine Begegnung mit dem Chef von Leo, Martin Visauer und mit demWiener Weihbischof Turnovzsky.

Danach ging es ins Café „Quo Vadis“, eine Begegnungs- und Veranstaltungsstätte der Ordensgemeinschaften, übrigens von einer jungen, charmanten und offensichtlich sehr kompetenten Dame aus dem schwäbischen Gerlingen geleitet.

Von dort gingen wir in den Stephansdom, ein Andrang wie in Rom beim Petersdom, man denkt zunächst, an Beten nicht zu denken, doch gleich nach dem Eingang rechts ist eine Oase vollkommener Stille, die Anbetungs-Kapelle und da sind Beter, zu denen sich Einzelne der vielen Touristen und der Einheimischen sich gesellen.

Schließlich gab es ein erstes Wiener Schmankerl, eine Fahrt mit der historischen Straßenbahn auf dem Ring, von dem aus man sehr viele Wiener Sehenswürdigkeiten erklärt und zu sehen bekommt. Wirklich gut gemacht. Danach ging es mit der U-Bahn zum „Don Bosco Haus“, unserem Quartier mit sehr gepflegten und schönen Zimmern und am Abend ging die Pilgergruppe noch zu einem Heurigen. Wie es da war und mundete, kann ich nicht beschreiben, denn ich habe einen ehemaligen Mitarbeiter und seine Familie besucht. Freilich, ganz schlecht kann es nicht gewesen sein, denn offensichtlich kamen die Heurigen-Besucher spät zurück, denn plötzlich wurde es lebhaft im Haus. Ich war längst zurück und wahrhaftig nicht nur kurz weg.

Werner Redies und Andreas Nick

23.05. 2018 – Sensibilität sich bewahren — Die Wahrheit hinter den Masken erkennen

Unter diesem Gedanken ist die Pilgergruppe heute unter Leitung des Verantwortlichen für das Pilgern in der Erzdiözese Wien, Leo Führer, in Götzendorf an der Leitha aufgebrochen.

Der ständige Lärm, der heute fast auf alle Menschen ständig einwirkt, die enorme Aktivität, die von vielen heute gefordert ist, sind für die notwendige Sensibilität, um echt und identisch leben zu können, eine große Gefahr und zugleich eine Herausforderung. Stille, Schweigen war schon z.Zt. des Martinus ein wichtiges Mittel, um sich diese Sensibilität zu erhalten oder, um diese zurück zu gewinnen. In dieser Intention sind wir heute Vormittag auf unserem Pilgerweg eine längere Wegstrecke gegangen. In der morgendlichen Stille konnten wir das feine Rauschen der Kornfelder wahrnehmen, vielerlei Vogelstimmen und sonstige leise Geräusche.

In Gramatneusiedel war unsere erste Station zu einem Geistlichen Impuls in der Kirche: „Die Wahrheit hinter den Masken und Täuschungen erkennen und sie benennen“, um so der Wahrheit zu dienen. Im Gemeindehaus wurden wir von der Pfarramtssekretärin sehr freundlich aufgenommen- sie erhielt, während sie Pilgerausweise stempelte die erfreuliche Nachricht, dass ein drittes Enkelkind das Licht der Welt erblickt hat.

Als wir weitergingen herrschte bereits die Sonne und es wurde immer schwüler, sodass wir unser Ziel für die Mittagspause später erreichten. Unser Ziel, Maria Lanzendorf, das noch sieben Kilometer entfernt war, konnten wir bis zur vereinbarten Zeit unmöglich erreichen, sodass wir entschieden, mit dem Bus gute drei Kilometer bis Himberg zu fahren. Dort in der Kirche fanden wir ein beeindruckendes Martinsbild und am Eingang erstmals ein Wegzeichen. Schließlich kamen wir nach Maria Lanzendorf, die Kirchenglocken läuteten uns ein Willkommen und Franziskaner hießen uns Willkommen, verwöhnten uns mit Obst und Getränken und erklärten uns die Kirche. Die Legende sagt, das schnell im Jahr 70 n. Chr. hier ein christlicher Gebetsraum gewesen war. Da ganz in der Nähe eine römische Legion ihr Lager hatte, die an der Zerstörung des Tempels von Jerusalem beteiligt war, könnte an der Legende etwas Wahres dran sein. Auf jeden Fall ist Maria Lanzendorf die älteste Wallfahrt in Österreich und für uns war es nochmals ein Ort zum Verweilen und des gemeinsamen Gebets. Der Kalvarienberg in Maria Lanzenberg soll das Vorbild des größeren von Eisenstadt sein. Wirklich ein beeindruckendes Gebäude. Schade, dass einzelne Nischen leer, geräubert sind, doch auch heut noch ein Ort des Still-Werdens, wenn man sich auf das Leiden Jesu Christi einlässt.

Werner Redies

22.05.2018 — Dem Kleinsten seine Würde beachten

Wir Menschen wollen „wer sein“ und oftmals mehr, dem anderen Überlegenheit. Diese Ehrsucht ist die Ursache für viel Streit und Krieg. Darum stellt Jesus ein Kind in die Mitte, da die Apostel streitend sich fragten:: „ Wer der Größte unter ihnen sei?“ Denn, Kinder galten wenig in der jüdischen Gesellschaft. Unter diesem Gedanken sind gestern ca. zwanzig Pilger aus Österreich und Deutschland in Donnerskirchen aufgebrochen, um einige Tage auf der Mittelroute des europäischen Martinusweg zu pilgern. Martin von Tours ist ein Gegenmodell zu solchem falschem Ehrgeiz der in der Vergangenheit viel Leid in Familien Gruppen und zu den Völkern Europas gebracht hat. Martin von Tours hat die Würde eines jeden Menschen geachtet. Darum eignet sich Martin von Tours, zumal er ganz zu Beginn des werdendes Europas Schutzpatron der fränkischen Könige war, sehr gut als Vorbild für ein geeintes Europa und das Miteinander der europäischen Völker. Zuviel Kriege und zu wenig Respekt vor der Lebensform des Einzelnen kennzeichnen ihre Geschichte.

Die Pilger wanderten über das Leitha-Gebirge und kamen zu dem großen, unter Joseph II. aufgelassenen Karmeliterkloster „Sankt Anna in der Wüste“, ein Beispiel wie die Lebensform von Menschen nicht respektiert wurde. Die Pilgergruppe kam unter Führung von Johannes Artner, von der Diözese Eisenstadt und Leo Führer, von der Erzdiözese Wien schließlich zur Martinskirche in Mannnersdorf, dort gab es einen wunderbaren Stempel in den Pilgerausweis danach ging es auf das letzte Wegstück der Tagesetappe bis nach Götzendorf, dort erwartete sie der Bus. Nach einer Pause im Quartier war am Abend noch eine Stadtführung durch Eisenstadt, beginnend am Dom unter der kundigen Führung von Hannes Artner. Mit einem Abendessen im Hayden-Bräuhaus klang der Tag aus. Die Pilger waren nach einem anstrengendem ersten Pilgertag „geschafft“ und hatten zugleich gelernt, dass ein gutes, respektvolles Miteinander der Mühe wert ist, egal ob in der Pilgergruppe oder in Europa. Der Respekt vor dem schwächsten Glied, macht jede Gruppe stark und eben ach Europa.

Werner Redies, Andreas Nick

21.09.2017 – Wir sind am Ziel!

Heute haben wir unser Ziel, die Gruft des heiligen Martin in der Basilika in Tours erreicht. Herzlich wurden wir von den Ordensschwestern begrüßt. Eines unserer Anliegen, die Erlaubnis zum Abdruck des Bildes „Saint Martin umarmt einen Aussätzigen in Paris“ haben wir sofort erhalten. Nach dem stillen Gebet am Grab haben wir an einer von den Schwestern sehr schön gestalteten Euchariefeier teilgenommen. Schließlich wurden wir noch zu einem sehr guten, natürlich mehrgängigen Mittagsmahl eingeladen. Schließlich kam es noch zu einer Begegnung mit dem Pfarrer der Basilika und mit den Priesteramts-Kandidaten von Tours.
Wir gingen dann noch zur Kathedrale und von dort zum Bahnhof und fuhren zurück nach Ligugé, nahmen am Vesper-Gebet Teil und trafen uns noch mit einem Bekannten in Portier. Morgen wollen wir nach der Laudes zurück fahren, um noch nach Oberschwaben zu kommen.
Werner Redies, Eugen Engler

18.09. 2017 – Am Abend in der Pizza Ranch

Wir pilgern derzeit kleine Tagestouren, Eugen würde leicht die dreifache Strecke zurücklegen zumal er heute vom heiligen Eugen bei der Kirchenfenster-Begegnung enorme Kraft verliehen bekam, ein Glück für mich, dass der heilige Martin für die Besserung meines rechten Fußes samt Knöchel gesorgt hat. Nun ein Foto könnte ich trotzdem von ihm machen. Das ist nicht einfach, denn er scheut die Kamera!  Morgen hoffe ich, dass wir wieder in der Domain Saint MARTIN             sind, denn es wird Zeit dass wir uns dem Ziel nähern.

Ohne Zensur von Eugen

Werner Redies

15. 09. 2017 – Ein guter Start, bei traumhaftem Pilgerwetter

Nach einer guten Nacht bei den Benediktiner der Abtei Saint Martin in Ligugé und der Feier der Laudes zusammen mit den für deutsche Augen erstaunlich jungen Mönchen vom europäischen und afrikanischen Kontinent, haben wir mit einem niederländischen Radpilger und einem jungen tschechischen Fußpilger nach Santiago de Compostela unser Frühstück eingenommen und hatten gute Unterhaltung. 
Kurz vor neun Uhr sind wir dann aufgebrochen und hatten bis Poitiers herrlichen Waldweg und auch durch die Stadt führte der Weg durch eine Parkanlage. Bei einer der letzten Parkbänke gab es eine kurze Rast. Wir saßen noch nicht richtig kam eine Dame mit einem Golden Retriever und nahm mit uns das Gespräch auf. Schon nach wenigen Worten zeigte sie Interesse am Martinusweg und bat um Informationen und die Internetanschrift. Gerne würde sie mit dem Hund sich auf den Weg begeben, doch wir wie auch sie haben das im Hinblick auf die Quatierfrage als schwierig angesehen.

Auch der Weg von Portier hinaus war angenehm, doch dann kam sehr viel Landstraße, da mit Blick auf mein geringes Training 22 km am ersten Tag genügen sollten. So waren wir schon um 15:30 im einfachen „hotelF 1 in Chasseneuil ein wenig abseits von unserer Strecke, die sich am Jakobsweg orientiert, da von Ligugé nach Tours es keinen Martinusweg gibt, obgleich das dort zwei eigentliche Orte des Heiligen sind. Nach Poitiers ging Martin nachdem er den Militärdienst in Worms beendet hatte, um beim Ersten Bischof von Poitiers, dem heiligen Hilarius in die Geistliche Schule zu gehen. Nach seinen Orientierungsjahren hatte der Heilige Martin die Absicht alleine in einem ehemaligen römischen Landgut, das ziemlich zerfallen war, alleine zu leben. Doch sehr schnell kamen junge Männer, die sich an ihm orientiert haben und so entstand das erste abendländische Kloster, eben in Ligugé, freilich noch ohne geschriebene Regel. Von da aus verbreitete sich der Gute Ruf des Heiligen Martin und darum wollten ihn die Bürger von Tours als Bischof.
Werner Redies, Eugen Engler