Im September 2016 wird mit der Mittelroute ein Martinuspilgerweg „Via Sancti Martini“ durch Europa eröffnet. Der Weg beginnt in Szombathely (Ungarn), der Geburtsstadt des Heiligen Martin und verläuft durch Diözesen in Österreich, Deutschland, Luxemburg, Belgien und Frankreich bis nach Tours, wo der Heilige Martin Bischof war. Das Wegenetz umfasst insgesamt über 2500 Kilometer. Wir verstehen den europäischen Martinusweg als Pilgerweg und Kulturweg zugleich. Seit 2005 ist die Via Sancti Martini eine eingetragene Kulturstraße des Europarates.

2011 eröffnete Bischof Dr. Gebhard Fürst den Martinus-Pilgerweg in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Er bildet das Kernstück der neuen Mittelroute. Auf diesem Pilgerweg werden sowohl Kirchen und Einrichtungen verbunden, die unter dem Patronat des Heiligen Martin stehen, wie auch ab Worms Orte an denen der Heilige zu Lebzeiten gewirkt hat.

„Orte des Teilens“, an denen noch heute Menschen im Geiste des Heiligen Martin leben und arbeiten sind ein besonderes Kennzeichen dieses Pilgerweges. Er lädt so alle Pilger ein, sich mit dem Heiligen Martin, seinem Leben, seinem Glaubenszeugnis und seinem Wirken auseinanderzusetzen. Pilgern auf dem Martinusweg kann so zur Spurensuche werden: nach Spuren des Heiligen Martin, aber mehr noch nach Spuren Gottes in unserem Leben. Der Pilgerweg ist ein Teilstücken bereits ausgeschildert.

Die Eröffnung findet in Etappen immer zwischen Diözesen statt. Start ist am 3. September in Szombathely. Ein Martinsmantel soll als Symbol die Eröffnung begleiten und von Ort zu Ort, von Diözese zu Diözese weitergegeben werden. Er steht dabei zum einen für den „Mantelteiler“, aber auch für dessen gelebte Spiritualität und Nächstenliebe, die für uns als Vorbild dienen kann. Die Lörracher Künstlerin Astrid Eichin hat den Martinsmantel gestaltet.

Ab dem 3. September 2016 finden Sie hier Berichte und Fotos von den jeweiligen Eröffnungsveranstaltungen.

 

 

 

Europa ein  Thema unserer Tage! Kardinal Kasper in Ehingen

Stiftungsfest der Marchtaler Internate! Was hat das mit dem Martinusweg zu tun? Und was hat der Martinusweg mit Europa zu tun? 
Und was hat Kardinal Kasper beim Stiftungsfest zu Europa zu sagen? 

Alle Interessierten sind herzlich, am Samstag, 9. Juli 2016, nach Ehingen eingeladen.

09:45 Gottesdienst in der Konviktskirche Ehingen

11:00 Erfrischungen in der Aula des Johann Vanotti-Gymnasiums

11:30 Vortrag zu „Europa“ von Walter Kardinal Kasper in der Aula des Johann Vanotti-Gymnasiums
Näheres unter: 

http://www.stiftung-marchtaler-internate.de/ueber-uns/aktivitaeten-der-stiftung/stiftungsfest-2016/0

31.05.2016 – Sulpicius Severus – LEBEN DES HEILIGEN MARTIN: 26 – Schluss des Buches

Nach der Lateinisch und Deutschen Ausgabe Herausgegeben von Kurt Smolka – St. Martinus-Verlag, Eisenstadt

Hier nur die deutsche Version
26. Nun aber muss das Buch zu seinem Ende kommen, meine Darstellung will abgeschlossen sein – nicht etwa, weil all das, was es über Martin zu berichten gäbe, schon gesagt wäre, sondern weil ich, wie ein schlechter Dichter, gegen Schluss des Werkes nachlässig, mich gegenüber der erdrückenden Fülle des Stoffes geschlagen gebe. Denn selbst wenn es noch irgendwie möglich war, seine Taten mit Worten darzustellen, so wird keiner, aber wirklich keine Art sprachlichen Ausdrucks sein Innenleben, sein Verhalten immAlltag und seine stets auf den Himmel gerichteten Gedanken je vermitteln können; ich meine jene unnachgiebige Ausdauer in Enthaltsamkeit und Fasten, jene Kraft in Wachen und Beten, seine Fähigkeit, Nächte in derselben Weise zu verbringen wie Arbeitstage und zu keiner Zeit vom Werk Gottes abzulassen, umsichtiger Muße oder auch nur einer anderen Beschäftigung hinzugeben, ja nicht einmal um zu essen und zu schlafen – bis auf das Bißchen, das die Natur zwingend gebot. Wahrlich, auch wenn Homer selbst, wie man so sagt, aus der Unterwelt emporstiege, könnte er solches nicht darlegen. Denn an Martin ist alles so großartig, dass es sich nicht in Worte fassen läßt.

Nie verging eine Stunde, nie eine Minute, ohne dass er inständigem Gebet oder konzentriertem Lesen oblag, obwohl er auch beim Lesen oder bei irgendeiner anderen Tätigkeit im Geist nie vom Gebet abließ. Geradeso wie Schmiede, die die Gewohnheit haben, während ihrer Arbeit auf den bloßen Amboß zu schlagen, um sich so von ihrer Mühsal ein wenig zu erholen,war Martin, auch wenn es so aussah, als täte er etwas anderes, ständig mit Beten beschäftigt.

Ja, er war wahrhaftig ein Heiliger, ein Mann ohne Falschheit. Über niemand fällte er ein Urteil, niemanden verdammte er, niemandem vergalt er Böses mit Bösem. Denn gegen alles Unrecht hatte er sich mit solcher Geduld gewappnet, dass er, obwohl Bischof auch von niedrigsten Geistlichen verletzende Worte hinnahm, ohne jene zu bestrafen oder deswegen jemals ihres Postens zu entheben oder gar aus seiner Liebe auszuschließen, soweit es an ihm lag. Niemand sah ihn je erzürnt, niemand je aufgeregt, niemand je bekümmert, niemand je lachend: Sein Gemütszustand war stets ein und derselbe. Mit einem Ausdruck himmlischer Freude auf seinem Antlitz schien er jenseits der Menschennatur zu stehen. Nie führte er anderes im Mund als Christus, nie trug er anderes im Herzen als Gottesliebe, Frieden und Erbarmen. Oftmals pflegte er sogar unter Tränen um Vergebung der Sünden seiner offenkundigennWidersacher zu flehen, die ihm, der installier Zurückgezogenheit lebte, mit ihren Giftzungen und Schlangenmäulern zu zerreißen suchten.

In der Tat habe ich einige Leute kennengelernt, die ihm seine von innerer Stärke bestimmte Lebensführung neideten und an ihm verabscheuten, was sie an sich selbst vermißten und worin sie es ihm nicht gleichtun konnten. Und man erzählte – welch ein bedauerliches, beklagenswertes Unrecht -, dass es sich bei seinen Gegnern zumeist umkringelt anderen Personen handelte, mochten es auch ganz wenige sein, dennoch um keine anderen Personen als um Bischöfe. Es erübrigt sich aber, irgendeinen von Ihnen mit Namen anzuführen, obgleich er sie in großer Zahl auch mich selbst allenthalben begeistern. Es soll genügen, dass, wenn einer von ihnen beim Lesen dieses Buches versteht, was ich hiermit sagen will, er vor Scham errötet. Denn wenn er in Zorn gerät, wird er damit eingestehen, dass er gemeint ist, sollte ich auch möglicherweise an andere gedacht haben. Mir jedenfalls macht es nichts aus, wenn jeder, der zu jenen gehört, auch mich gleichermaßen verabscheut wie diesen so bedeutenden Mann.

Dessen bin ich mir aber ganz sicher: Allen heiligmäßigen Menschen wird dieses mein beschriebenes Werk willkommen sein. Im übrigen wird, wer dies ungläubig liest, durch eigene Schuld eine Sünde begehen. Ich für meine Person habe ein gutes Gewissen: Von der Zuverlässigkeit der Ereignisse und der Liebe zu Christus zum Schreiben veranlaßt, habe ich Tatsachen berichtet und die Wahrheit gesagt. Und, so hoffe ich, all jene dürfen Gottes Lohn erwarten, die nicht bloß lesen, sondern auch glauben.
Hiermit endet die Beschreibung des Lebens vom Heiligen Martin durch Sulpicius Severus.

Sulpicius Severus hat noch drei Briefe geschrieben, die dieses sein Werk betreffen.

 

Ein erster Brief ging an Eusebius. Dieser ergab sich nach einer Gesprächsrunde auf dem ehemaligen Landgut des Sulpicius Severus, das er in eine Art Kloster umgewandelt hatte und das zu Gesprächs- und Diskussionsrunden diente.
Der zweite Brief geht an einen Diakon Aurelius, der Freund ihm war und der später Priester wurde.
Der dritte Brief geht an Bassula, die verehrte „Mama“ von Sulpicius Severus, seine Schwiegermutter. „Mama“ ist hier ein Ausdruck der Hochachtung.
Diese drei Briefe geben Aufschluss über die Hintergründe des Buches und über die Motive des Sulpicius Severus.
Eine ausführliche Einleitung und diese drei Briefe, zudem zahlreiche Anmerkungen zum Text des Sulpicius Severus, die Hintergründe erschließen sind in dem Buch – 
Sulpicius Severus

Leben des heiligen Martin – VITA SANCTI MARTINI –

Lateinisch und Deutsch 

Herausgegeben von Kurt Smolka

St. Martins-Verlag, Eisenstadt 1997
enthalten. Das Buch ist hergestellt mit Unterstützung der Diözese Eisenstadt und der Wiener Humanistischen Gesellschaft ( Institut für klassische Philologie der Universität Wien, Dr. Karl-Lueger-Ring 1, A-1010 Wien)

Dieses Buch ist sehr zu empfehlen.


Noch eine Anmerkung zur Darstellung des Lebens des heiligen Martin. 

Den Wallfahrern der Diözese Rottenburg in diesem Monat nach Tours, ist gewiss aufgefallen, dass während eines Gottesdienstes und am Grab des heiligen Martin Filmaufnahmen getätigt wurden. Es ist ein Film über den heiligen Martin 

im Entstehen, der von verschiedenen Fernsehanstalten finanziert wird und der das Leben und die Wirkungsstätten von Martin von Tours in den Blick nimmt. Der Film wird wahrscheinlich im November dieses Jahres, eben um den 11.11., den Beisetzungstag des heiligen Martin ausgestrahlt.
Sobald mir von der Produktionsfirma Tellux, die jeweiligen Ausstrahlungstermine mitgeteilt werden können, werde ich dies hier veröffentlichen.

Schließlich mache ich noch auf das Samstagspilgern auf dem Martinusweg in der Diözese Rottenburg Stuttgart in diesemmJahr aufmerksam und auf ein einwöchiges Pilgern. Näheres unter: www. Martinuswege.de und hier unter Martinusgemeinschaft.
Werner Redies

29.05.2015 – Sulpicius Severus – LEBEN DES HEILIGEN MARTIN: 25

Nach der Lateinisch und Deutschen Ausgabe 

Herausgegeben von Kurt Smolka – St. Martinus-Verlag, Eisenstadt

Hier nur die deutsche Version
25. Denn als ich vor langer Zeit von seinem Glauben, seiner Lebensführung und geistigen Kraft gehört hatte und den glühenden Wunsch verspürte, ihn zu sehen, scheute ich zu diesem Zweck die Mühen einer Reise nicht.Dabei habe ich, weil mir bereits das Herz brannte, seine Biographie zu schreiben, teils bei ihm selbst Erkundigungen eingeholt – soweit es möglich war, ihm Fragen zu stellen -, teils mir von Augenzeugen oder gut informierten Personen Kenntnis beschafft. Es ist unglaublich, mit welcher Demut, mit welchem Wohlwollen er mich damals empfing, wobei er sich überglücklich und voller Freude im Herrn zeigte, dass ich eine so hohe Meinung von ihm hatte, dass ich die Anstrengungen einer Reise nicht scheute, um ihn zu besuchen.iIch komme mir ganz schlecht vor, fast wage ich nicht es einzugestehen: Als er mich huldvoll an seinem heiligmäßigen Mahl teilnehmen ließ, reichte er persönlich mir das Wasser zum Händewaschen und abends wusch er persönlich mir die Füße. Meine Beharrlichkeit reichte nicht, mich ihm nachdrücklich genug zu widersetzen: So sehr stand ich im Bann seiner Willensstärke, dass ich es für einen groben Verstoß gehalten hätte, ihn nicht gewähren zu lassen. Das einzige Thema über das er mit mir sprach, betraf die Notwendigkeit, die Verlockungen der Welt und die belastende Bindung an das Diesseits hinter sich zu lassen, um dem Herrn Jesus frei und ungehindert nachfolgen zu können. Und er stellte mir ein leuchtendes Beispiel aus der Gegenwart vor Augen: Paulinus, einen Adligen, den ich schon früher erwähnt habe. Dieser habe sich von seinem gewaltigen Reichtum getrennt, sei Christus nachgefolgt und habe so . nahezu als einziger in unseren Tagen – die Gebote des Evangeliums erfüllt. Seinem Vorbild zu folgen, es ihm gleichzutun, forderte Martin mich mit Nachdruck auf. Glücklich sei die gegenwärtige Epoche zu preisen ob eines Vorbildes von solcher Glaubenskraft. Denn er, der Reiche, der große Besitzungen hatte, habe entsprechend dem Wort des Herrn alles verkauft, den Erlös den Armen gegeben und durch sein Beispiel Unmögliches möglich gemacht.

Welcher Ernst, welche Würde lagen ferner in Martins Worten, wenn er sich unterhielt! Wie scharfsinnig, wie treffsicher, wie einfallsreich und gewandt war er bei der Erklärung schwieriger Stellen aus der Heiligen Schrift! Und weil ich von vielen weiß, dass sie mir in diesem Punkt keinen Glauben schenken – mußte ich doch erleben, dass man mir, auch wenn ich persönlich darüber berichtete, nicht glaubte -, rufe ich Jesus, unser aller Hoffnung, zum Zeugen an, dass ich niemals sonst aus dem Mund irgendeines Menschen ein solches Maß an Wissen, an Geist, an vortrefflicher, gepflegter Sprache vernommen habe. Wie bedeutungslos sind allerdings diese lobenden Worte angesichts Martins innerer Fähigkeiten! Staunenswert ist freilich, dass es ihm, einem Mann ohne höhere Bildung, auch an dieser Gabe nicht mangelte.

Emblem der Diözese Tours im Jubiläumsjahr anlässlich der Wiederkehr des 1700 Geburtstages des Heiligen Martin von Tours

28.05.2016 – Sulpicius Severus – LEBEN DES HEILIGEN MARTIN: 24

Nach der Lateinisch und Deutschen Ausgabe 

Herausgegeben von Kurt Smolka – St. Martinus-Verlag, Eisenstadt

Hier nur die deutsche Version

24. Man hat aber darauf hingewiesen, dass ungefähr zur gleichen Zeit in Spanien ein junger Mann lebte, der sich durch viele Wunderzeichen Ansehen verschafft und sich erdreistet hatte zu verkünden, er sei Elias. Sehr viele schenkten ihm blindlings Glauben, und so fügte er hinzu, er sei Christus. Dadurch vermochte er die Leute so sehr hinters Licht zu führen, dass ein Bischof namens Rufus ihn als Gott anbetete. Wir haben erlebt, dass dieser deshalb später seines Bischofsamtes enthoben wurde. Auch haben uns viele Mitbrüder berichtet, dass zur gleichen Zeit im Osten jemand aufgetreten ist, der sich brüstete, Johannes zu sein. Daraus, nämlich aus dem Auftreten solcher falscher Propheten, kann man erschließen, dass die Ankunft des Antichrist bevorsteht, der in der Gestalt dieser Personen seine geheime Macht der Gesetzwidrigkeit schon jetzt ausübt.Es darf aber, wie ich meine, nicht verschwiegen werden, mit welcher Tücke der Teufel in ebendiesen Tagen Martin auf die Probe stellte. Eines Tages nämlich trat er an ihn heran, als dieser gerade in seiner Zelle betete: Ein purpurnes Licht eilte ihm voraus und umgab ihn – er wollte durch den strahlenden, trügerischen Glanz ein leichteres Spiel mit Martin haben -; angetan war er mit einer kaiserlichen Robe, trug ein edelsteingeschmücktes Diadem aus Gold und goldfarbene Schuhe; kein Schatten lag auf seinem Antlitz, sein Gesichtsausdruck war freundlich, so dass man ihn für nichts weniger als den Teufel halten musste. Beim ersten Anblick war Martin wie geblendet; dann verharrten beide in langem, tiefem Schweigen. Danach ergriff der Teufel als erster das Wort: „Erkenne, Martin, den, den du siehst! Ich bin Christus. Bald schon werde ich zur Erde hinabsteigen, zuvor aber wollte ich mich dir offenbaren. Als Martin weiter schwieg und darauf überhaupt keine Antwort gab, erdreistete sich der Teufel, seine unverschämte Eröffnung zu wiederholen: Martin, was zweifelst du? Glaube, weil du siehst! Ich bin Christus. Sodann entgegnete jener, da ihm der Geist offenbarte, es handle sich um den Teufel, nicht um den Herrn: „Nicht hat der Herr Jesus vorhergesagt, dass er in einem Purpurgewand und mit einem glänzenden Diadem kommen wird. Ich werde nur dann glauben, wenn er in dem Aufzug und der Gestalt des Leidenden auftritt und die Wundmale der Kreuzigung trägt. Bei diesen Worten verflüchtigte sich der Teufel auf der Stelle wie Rauch. Die Zelle aber erfüllte er mit solchem Gestank, dass er einen untrüglichen Beweis zurückließ, dass es sich um den Teufel gehandelt hatte. Von diesem Ereignis habe ich, wie zuvor berichtet, aus dem Mund Martins selbst erfahren. Daher soll niemand meinen, es gehöre in den Bereich der Phantasie.

27.05.2016 –  Sulpicius Severus – LEBEN DES HEILIGEN MARTIN: 23

Nach der Lateinisch und Deutschen Ausgabe 

He.rausgegeben von Kurt Smolka – St. Martinus-Verlag, Eisenstadt

Hier nur die deutsche Version

23. Ein gewisser Clarus, ein hochadliger Jüngling, der wenig später Priester wurde – jetzt ist er bereits beglückt in die Seligkeit eingegangen -, hatte alles aufgegeben, sich Martinus angeschlossen und binnen kurzer Zeit den höchsten, strahlenden Gipfel im Glauben und in allen Tugenden erklommen. Als er nun nicht weit vom Kloster des Bischofs sich eine Klause errichtet hatte und viele Mitbrüder in seiner Nähe weilten, kam ein junger Mann namens Anatolius zu ihm, legte ein Mönchsgelübde ab, in dem er alle Demut und Sündlosigkeit heuchelte, und lebte ein Zeitlang in der Gemeinschaft mit den übrigen. In der Folge behauptete er dann wiederholt, Engel pflegten mit ihm zu reden. Als keiner dies ernst nahm, brachte er durch irgendwelche Wunderzeichen sehr viele dazu, ihm zu glauben. Schließlich ging er so weit, dass er verkündete, zwischen ihm und Gott verkehrten Eilboten, und wollte als einer der Propheten gelten. Clarus freilich ließ sich ganz und gar nicht dazu zwingen, ihm zu glauben. Jener drohte ihm den Zorn Gottes und augenblickliche Strafen dafür an, dass er einem Heiligen keinen Glauben schenke. Zuletzt soll er folgende Worte ausgerufen haben: „Siehe, in der heutigen Nacht wird mir der Herr ein weißes Gewand vom Himmel her geben. Das werde ich anlegen und damit in eurer Mitte wandeln. Und dies wird euch ein Zeichen dafür sein, dass ich eine Kraft Gottes bin, der ich doch ein Gewand Gottes zum Geschenk erhalten habe.“ Daraufhin waren alle ob dieser Ankündigung in gespannter Erwartung. Gegen Mitternacht also schien das ganze Kloster unter dem dröhnen stampfender Tritte gegen die Erde in seinen Grundfesten zu erbeben. Die Zelle aber, in der besagter Jüngling sich aufhielt, war von zahlreichen Blitzen hell erleuchtet, wie man sehen konnte. Auch war das Schnauben von Wesen, die darin umhereilten, und dumpfes Stimmengewirr zu hören. Als es dann still geworden war, trat er heraus, rief einen der Brüder – sein Name war Sabatius – zu sich und zeigte ihm das Gewand, mit dem er bekleidet war. Baß vor Erstaunen rief dieser die anderen zusammen; auch Clarus selbst eilte herbei, und im Schein einer Lampe betrachteten alle aufmerksam das Gewand. Dieses war ganz weich, strahlend weiß und hatte leuchtende Purpurstreifen, aber man könnte nicht feststellen, von welcher Art, aus welchem Stoff es war. Den neugierigen Blicken und tastenden Fingern aber schien es nichts anderes zu sein als eben ein Gewand.

Mittlerweile forderte Clarus die Mitbrüder zu inständigem Gebet auf, damit der Herr ihnen mit aller Deutlichkeit offenbare, was das denn zu bedeuten habe. So verbrachte man den Rest der Nacht mit Hymnen- und Psalmengesang. Nach Tagesanbruch packte Clarus Anatolius bei der Hand und wollte ihn zu Martin schleppen, da er wohl wusste, dass diesen keine List des Teufels zu Narren vermochte. Da aber begann der Elende sich zu sträuben und zu protestieren. Es sei ihm untersagt worden, behauptete er, sich Martin zu zeigen. Als man ihn gegen seinen Willen zwang, zu diesem zu gehen, verflüchtigte sich das Gewand unter den Händen derer, die ihn wegschleppten. Wer könnte also zweifeln, dass auch dies der Kraft Martins zuzuschreiben war, dass nämlich der Teufel,sein Blendwerk, sobald es Martin vorgeführt werden sollte, nicht länger geheim halten und vertuschen konnte.

25.05.2016 – Sulpicius Severus – LEBEN DES HEILIGEN MARTIN: 22

Nach der Lateinisch und Deutschen Ausgabe He.rausgegeben von Kurt Smolka – St. Martinus-Verlag, Eisenstadt

Hier nur die deutsche Version
22. Oftmals aber trat der Teufel bei seinen unzähligen Versuchen, den heiligen Martin durch böswillige Ränke zu Narren, ihm in den verschiedensten Erscheinungsformen vor Augen. Bisweilen zeigte er sich nämlich in der Maske Juppiters, meist in der Gestalt Merkurs, oft auch mit den Zügen von Venus und Minerva. Martin, stets unerschrocken, wusste sich mit dem Zeichen des Kreuzes und einem Stoßgebet vor ihm zu schützen. Sehr oft waren Schmähreden zu hören, in denen ihn eine Dämonenschar mit frechen Worten anherrschte. Da er aber erkannte, dass dies alles falsch und nichtig er, ließ er sich durch die Vorwürfe nicht aus der Fassung bringen.

Auch einige von den Mitbrüdern haben ihrer eigenen Aussage nach gehört, wie ein Dämon mit frechen Worten Martin anherrschte, warum er immKloster einige von den Brüdern, die einst aufgrund verschiedener Verwirrungen ihrer Taufgnade verlustig gegangen waren, später nach ihrer Umkehr, wieder aufgenommen habe; und er zählte die Vergehen jedes einzelnen auf. Martin soll sich dem Teufel beharrlich widersetzt und geantwortet haben, frühere Schuld werde durch die Besserung der Lebensführung getilgt und Menschen, die aufgehört hätten zu sündigen,müßten Kraft des Erbarmens des Herrn von ihren Sünden freigesprochen werden. Als der Teufel entgegnete, Schuldbeladenen bleibe Vergebung versagt, Mund wenn man zu Fall gekommen sei, könne Gott keine Milde walten lassen, rief Martin, so wird berichtet, folgende Worte aus: „Sogar dir, Elender, würde ich, wenn du abließest, den Menschen nachzustellen und deine Taten selbst jetzt, da der Tag des Gerichts Nähe ist, bereutest, in ehrlichem Vertrauen auf den Herrn Jesus Christus dessen Erbarmen verheißen!

Welch eine erhabene Vorstellung von Gottes Güte! In ihr zeigt Martin, auch wenn er sich nicht für sie verbürgen könnte, sein ganzes Fühlen. Und da nun einmal die Rede auf den Teufel und seine Ränke gekommen ist, scheint es nicht unangebracht – mag dies auch nicht zum Thema gehören -, von einem bestimmten Vorfall zu berichten. Denn auch darin treten gewisse innere Kräfte Martins zutage, und die staunenswürdige Begebenheit verdient es, der Nachwelt als warnendes Beispiel, überliefert zu werden, für den Fall, dass irgendwo einmal gleichartiges geschieht.

25.05.2016 – Sulpicius Severus – LEBEN DES HEILIGEN MARTIN: 21

Nach der Lateinisch und Deutschen Ausgabe He.rausgegeben von Kurt Smolka – St. Martinus-Verlag, Eisenstadt

Hier nur die deutsche Version
21. Es ist ferner Tatsache, dass Martin häufig Engel sehen konnte, ja sie führten mit ihm sogar Zwiegespräche. Den Teufel aber bekam er so deutlich zu Gesicht, dass er ihn in jeglicher Gestalt erkannte, möchte dieser nun er selbst bleiben oder verschiedene Erscheinungsformen des Bösen annehmen. Da der Teufel aber wusste, dass er Martin nicht verborgen bleiben konnte, setzte er ihm oftmals mit Schmähungen zu; er vermochte ihn ja nicht in hinterhältiger Weise zu täuschen.
Einmal aber stürmte er, ein blutüberströmtes Rinderhorn in Händen, unter furchtbarem Getöse in Martins Zelle, zeigte seine blutverschmierte Rechte und sagte, noch in Hochstimmung nach einem eben begangenen Verbrechen: „Wo ist deine Kraft geblieben Martin? Einen der Deinen habe ich eben umgebracht.“ Daraufhin rief Martin seine Mitbrüder zusammen und berichtete Ihnen, was ihm der Teufel kundgetan hatte. Er wies sie an, in der Zelle eines jeden einzelnen aufmerksam nachzusehen, wer denn Opfer dieses Anschlags geworden sei. Sie meldeten, es fehle zwar keiner der Mönche, wohl aber sei ein Mann vom Lande, den man gedungen hatte, Holz mit einem Wagen herbeizuschaffen, in den Wald gegangen. Martin befahl, dass einige ihm entgegengehen sollten. Danach fand man ihn unweit des Klosters, beinahe schon tot. Mit seinem letzten Atemzug gab er den Brüdern die Ursache seiner tödlichen Verwundung an: Während er seinem Ochsengespann die Zügel wieder fest binden wollte, die sich gelockert hatten, habe ein Ochse seinen Schädel aus dem Riemen gerissen und im ein Horn in den Unterleib gestoßen. Nicht viel später verschied der Mann.

Man könnte sich Gedanken darüber machen, warum Gott entschied, dem Teufel diese Macht zu geben. Was freilich Martin betrifft, so war seine Fähigkeit erstaunlich, nicht nur das zuvor berichtete Ereignis, sondern viele ähnliche, immer dann, wenn sie vorkamen, schon sehr früh vorauszusehen beziehungsweise das ihm Geoffenbarte seinen Mitbrüdern kund zu tun.

22. Mai 2016 – Die Diözesanwallfahrt in den Medien

Impressionen von der Diözesanwallfahrt sind in der Mediathek auf der Homepage der Diözese unter http://www.drs.de veröffentlicht. Die Filme sind auch auf dem youtube-Channel der Diözese bei youtube zu sehen, und zwar hier (https://www.youtube.com/watch?v=JaVQeteTBxM), hier (www.youtube.com/watch?v=6p9U5s8YkF8) und hier (www.youtube.com/watch?v=iqUxVQEDXrE), weitere Filme kommen noch dazu.

Noch mehr aktuelle Bilder/Fotos gibt es auch auf der Facebook-Seite der Diözese hier (https://www.facebook.com/drs.news), die man jederzeit auch erreichen kann, ohne bei Facebook angemeldet zu sein!

Auf der Homepage der Redaktion KiP (www.kip-radio.de) sind Audio-Beiträge von der Diözesanwallfahrt aktuell abrufbar, u.a. in der Rubrik „KirchenNews“ auf der Startseite der Homepage ein Interview mit dem Bischof zur Wallfahrt. Auf http://www.kip-tv.de können Sie eine 30minütige Alpha&Omega-Talksendung mit Bischof Fürst zum Martinsjahr on demand abrufen. Alle Filme zur Wallfahrt sind demnächst auch (gegen Erstattung der Unkosten) als DVD bei der Diözesanpilgerstelle abrufbar.

Im Katholischen Sonntagsblatt wird in der nächsten Ausgabe vom 29. Mai 2016 ebenfalls eine große Reportage über die Wallfahrt erscheinen. Die Filmaufnahmen, die in der Basilika in Tours am Grab des Hl. Martin gemacht wurden, fließen in einen Fernsehfilm über den Heiligen Martin ein, der im Spätherbst in „arte“ laufen soll. Zahlreiche Fotos von der Wallfahrt werden in einem Wochenkalender für 2017 zusammengefasst, den der Bischof jedes Jahr herausgibt und der pro Woche ein Foto bietet, das man später auch als Ansichtskarte verwenden kann.

Um in Sachen Martin auf dem Laufenden zu bleiben, empfiehlt sich ein regelmäßiger Blick auf die Homepage www.drs.de und auf die Homepage www.martinuswege.de in der Rubrik „Aktuelles“.

22.05.2016 – Sulpicius Severus – LEBEN DES HEILIGEN MARTIN: 20

Nach der Lateinisch und Deutschen Ausgabe He.rausgegeben von Kurt Smolka – St. Martinus-Verlag, Eisenstadt

Hier nur die deutsche Version
20. Um aber auch weniger Bedeutendes in eine Reihe mit Martins Großtaten zu stellen – allerdings, wie der Zeitgeist unserer Gegenwart nun einmal ist, in der alle Werte entstellt und verkommen sind, ist es fast schon etwas Außergewöhnliches, wenn ein hoher Geistlicher standhaft genug gewesen ist, sich von Unterwürfigkeit gegenüber einem Herrscher fern zu halten: als sich einmal bei Kaiser Maximus, einem brutalen und wegen seines Sieges in Bürgerkriegswirren überheblichen Mann, etliche Bischöfe aus aller Welt eingefunden hatten, man allenthalben schäbige Unterwürfigkeit gegenüber dem Kaiser an den Tag legte und sich die würdigen Geistlichen, niedrig und wankelmütig, zu willfährigen Höflingen des Herrschers gewandelt hatten, konnte sich allein in der Person Martins die von den Aposteln ererbte Autorität behaupten. Denn wenn es darum ging, für irgendwelche Leute ein gute Wort beim Herrscher einzulegen, klang das bei ihm eher nach einem Befehl als nach einer Bitte; andererseits blieb er den Banquetts, obwohl oftmals geladen, fern; er sagte nämlich , er könne nicht mit einem Herrn Tischgemeinschaft haben, der zwei Kaiser beraubt habe – den einen seiner Herrschaft, den anderen seines Lebens. Doch Maximus versicherte, er habe nicht von sich aus nach derMacht gegriffen, sondern nur die Regierungspflicht, die ihm die Soldaten nach göttlichem Willen auferlegt hätten, mit Waffengewalt verteidigt; auch sei Gottes Wohlwollen offenkundig nicht fern von dem, welchem der Sieg durch so eine unglaubliche Fügung zugefallen sei; keiner seiner Gegner sei auf andere Weise umgekommen als im offenen Kampf. Da ließ Martin sich schließlich umstimmen – sei es durch Argumente, sei es durch Bitten – und kam zu einem Banquett. Der Kaiser aber war überglücklich, dies erreicht zu haben. 

Als Gäste aber waren, so als hätte man anläßlich eines Festtages geladen, bedeutende, höchstrangige Persönlichkeiten anwesend, der Präfekt und Konsul Evodius, ausgezeichnet durch unübertreffliche Rechtschaffenheit, zwei hochgestellte Hofbeamte sowie der Bruder und der Oheim des Kaisers. Mitten unter ihnen hatte ein Priester Martins Platz genommen, er selbst aber saß auf einem kleinen Thron neben dem Kaiser. Etwa zur Halbzeit des Banquetts reichte ein Diener, wie üblich, dem Kaiser eine Trinkschale. Dieser befahl, sie doch zuerst dem hochheiligen Bischof zu geben, in der hoffnungsvollen Erwartung, aus dessen Hand den Becher zu erhalten. Doch als Martin zu Ende getrunken hatte, reichte er die Schale an seinen Priester weiter, da er nämlich keinen für würdiger hielt, als erster nach ihm zu trinken, er meinte, nicht recht zu handeln, wenn er den Herrscher selbst oder die dem Herrscherrang nächsten Personen einem Priester vorzöge. Ob dieses Verhaltens waren der Kaiser und alle Anwesenden so verwundert, dass sie gerade an jener Haltung Gefallen fanden, die für sie eine Herabsetzung bedeutet hatte. Und im ganzen Palast redete man davon, dass Martin bei einem kaiserlichen Banquett etwas getan hatte, das keiner der Bischöfe bei Gastmählern niedriger Beamter getan hätte.

Martin kündete eben diesem Maximus schon lange im voraus an, er solle wissen, dass er, wenn er nach Italien zöge – er wollte nämlich dorthin aufbrechen, um einen Krieg gegen Kaiser Valentinian zu beginnen – , beim ersten Angriff zwar siegreich sein, wenige Zeit später aber umkommen werde. Dies trat denn auch ein, wie wir erlebt haben. Denn bei seinem ersten Herannahen musste Valentinian zunächst die Flucht ergreifen. Danach aber, etwa ein Jahr später, als er wieder ein schlagkräftiges Heer gesammelt hatte, nahm er Maximus innerhalb der Mauern Aquileias gefangen und ließ ihn töten.